10Tipps 04 – Ich vs Michael Moorcock

/ März 27, 2014/ 10 Tipps, Schreibtips/ 6Kommentare

1. Lies alles, was du in die Finger bekommen kannst. Ausgenommen Bücher aus dem Genre, in dem du schreiben möchtest.
Ich denke mal, das ist keine so schlechte Idee, wenn man den Kopf freibehalten, aber gleichzeitig literarische Anregungen kriegen will.
Ich lese kaum noch Fiktion weil mich schon länger nichts mehr gereizt hat, und ich bin viel zu ungeduldig geworden, glaub ich. Aber ich lese Essays und Blogs über die Themen, die ich in meiner Schreibe gern sensibel behandeln würde, ich lese Kritiken und Schreibtipps, und ich lese Plotzusammenfassungen von ‚Klassikern‘ (weil die ‚Klassiker‘, die ich bisher unter Zwang oder freiwillig gelesen habe, zu 90% einfach nur lahm und dann auch noch mies geschrieben waren, und ich hab keinen Bock auf sowas aber morbide Neugier und… Und.) und frage mich dann, wie um alles in der Welt so öde Plots zu ‚Klassikern‘ werden konnten.
Vielleicht bin ich eine Literaturbanausin oder sowas. Ja. Ich glaube, ich bin eine Literaturbanausin.

2. Finde eine_n Autor_in, zu der_m du aufschaust und kopiere ihre Plots und Charaktere, um deine eigene Geschichte zu erzählen. Das Malen lernt man auch durch das Kopieren der Meister.
Mein erster Moment bewusster schriftstellerischer Anstrengung sah so aus, dass ich mir Susan Kays ‚Phantom‘ genommen und nachgeguckt habe, was sie tut, um eine düstere, lastende Atmosphäre zu erzeugen. Ich habe Adjektive als ihr Hauptinstrument identifiziert. Vor allem diese hier (wenn ich mich recht entsinne, ich such jetzt nicht den Zettel raus, auf dem ichs aufgeschrieben habe, ja den Zettel hab ich noch, ich habe alle Zettel noch, alle, ALLE!!!!! Mwaaaah!):
Düster, lastend, starr, erhaben, geheimnisvoll, bedrohlich, brütend.
Das ist die Sünde des ‚Sage statt zu zeigen‘, aber es vermittelte mir die Erkenntnis, dass es ausreicht, ein oder zwei gezielte Worte/Formulierungen einzustreuen, um die Atmosphäre für eine gesamte Szene oder sogar Geschichte festzulegen.
An der Kunst, diese Worte/Formulierungen so zu wählen, dass sie nicht großartig aus dem Text herausstechen (plakative, zu starke Worte tun das gerne), übe ich noch herum.
Ich habe auch Kays Charaktere zu kopieren versucht – und bin kläglich gescheitert. Letztens hab ich ein paar Textfetzen aus dieser Phase gefunden. Ich hab kräftig gelacht weil ich mich so ungelenk angestellt habe. Spannenderweise stammen diese Textfetzen aus der Zeit nach der Urversion von ‚Das Kunstwerk‘. Ich hatte also schon ganz eigene Charaktere entwickelt, die ich ganz bewusst an vielen Stellen von Kay habe abweichen lassen, weil mir Kays Version nicht gefiel (an anderen Stellen habe ich Sachen völlig unkritisch übernommen, auch vom Plot her – das ist eine der Ebenen, auf denen ich ‚Das Kunstwerk‘ derzeit drüberbügle).
Plötzlich ist mir dann klargeworden, dass das Problem nicht so sehr in meiner Umsetzung der Charaktere lag, sondern darin, dass ich sie sozusagen aus Kays Geschichte ausgeschnitten und mit ihren Sprechweisen und Adjektiven in meine stilistisch ganz anderen Räumlichkeits- und Aktionsbeschreibungen reingestopft hatte. Das hat hervorgehoben, wie blumig und plakativ Kays Stil ist, und wie eindimensional ihre Charaktere. Im Gesamtzusammenhang des Romans ‚Phantom‘ fällt das nicht so auf, vor allem auch weil die Geschichte so eine große emotionale Bedeutung für mich hat und ich sie gern ganz ganz toll finden würde.

Ich denke mir, es ist eine gute Idee, Erzählungen – in welchem Medium auch immer – analytisch zu betrachten, rauszufinden, wie Effekte erzeugt werden, wie die Geschichte strukturiert ist, wo ihre Stärken und Schwächen liegen usw. Man kann so sehr viel nützliches lernen.
Zu versuchen, jemand anderes zu kopieren, war für mich persönlich allerdings nur verwirrend und hätte mich wahrscheinlich entmutigt, hätte ich auf diese Weise mit dem Schreiben begonnen.

3. Führe deine Hauptcharaktere und Themen im ersten Drittel des Romans ein
Uh… wann sonst? Ich meine… hä? Wer schafft es bitte, erstmal hundert Seiten über was völlig anderes zu reden, ehe er zur Geschichte kommt? *hust*yannmartell*hust*

4. Wenn du eine Handlungsgetriebene Genre-Geschichte schreibst, beachte Punkt 3. Der erste Teil des Romans ist dann die ‚Einführung‘.
Redundant point is redundant.

5. Entwickle deine Themen und Charaktere im zweiten Drittel. Dieser Teil heißt ‚Entwicklung‘
Ich weiß ja nicht. Klingt ziemlich lang. Hundert Seiten ohne Entwicklung? Ich meine, das wirkt jetzt auf mich so, als würde er vorschlagen, dass man die ersten hundert Seiten einzig und allein mit Exposition zubringen soll, ehe mit den Charakteren und ihren Problemen auch tatsächlich mal was passiert.
Dass ich auf Geschichten, die mit zu viel Exposition beginnen (= mehr als ein Satz), allergisch reagiere, habe ich schon an mehreren Stellen erwähnt, aber hundert Seiten??? Und dann auch noch als Infodump ganz am Anfang, bevor ich weiß, warum zur Hölle mich das alles interessieren sollte?? Nääääääääääääääääh. Näh. M-mh.

6. Löse deine Themen, Geheimnisse usw. im letzten Drittel auf.
Dieser Teil heißt ‚Auflösung‘.
Schockierend.

7. Für ein gutes Melodrama, lies die berühmte „Lester Dent Master Plot Formel“, die du online finden kannst Sie wurde für kurze Pulp Fiction entwickelt, aber kann für die meisten Genres und Längen adaptiert werden.
Diese Plot-Formel sieht so aus:

  1. Teile deine Geschichte in 4 ca. gleich große Teile.
  2. Stelle am Anfang von Teil 1 alle wichtigen Charaktere vor.
  3. Wiederhole die folgenden Schritte für alle vier Teile:
    • Mach dem Helden (mehr und mehr) Stress.
    • Schick den Helden in eine Prügelei mit dem Bösewicht.
    • Bau einen überraschenden Twist ein.
  4. Das Ende des letzten Teils sollte befriedigend sein.

Die Prügelei kann mit und ohne Waffen stattfinden. Außerdem rät Dent, es mal mit unorthodoxen Orten und (Mord-)Methoden zu versuchen und auf jeder Seite eine kleine Überraschung einzubauen (und sei es nur, dass man die Leserschaft in die Irre führt, indem man so tut, als wäre da eine Gefahr, am Ende wars aber nur die Katze).

Die Formel ist für Melodramen gedacht, andererseits frage ich mich, wie man eine Geschichte nicht nach diesem Schema aufbauen kann.
Man braucht Konflikte, die sich gelegentlich zuspitzen (nicht zwingend laut und actionlastig) und dann einer nicht unbedingt naheliegenden (Zwischen)Lösung zugeführt werden.
Von den ‚kleinen Überraschungen‘ auf jeder Seite würde ich allerdings abraten. Zumindest ich lese nicht, weil ich überrascht (lies: verarscht) werden möchte, sondern um interessanten Personen in interessanten Situationen bei der Bearbeitung interessanter Konflikte zusehen zu können.
Ich schätze es sehr, wenn eine Geschichte aufrichtig erzählt wird.

8. Wenn möglich, lass noch etwas anderes passieren, während deine Charaktere eine Exposition liefern oder rumphilosophieren. Das hilft, die Spannung aufrecht zu erhalten.
Ich würde sagen, wenn das Philosophieren nicht relevant genug für den Plot ist, um eine eigene Spannung zu erzeugen, sollte man es gleich ganz weglassen und stattdessen einen kurzen Sachtext darüber schreiben. Diese Erkenntnis hat bei mir etwas gebraucht, obwohl ich ansonsten so explizit dafür bin, Geschichten und Messages getrennt zu halten.

9. Karotte und Stöckchen. Sorge dafür, dass dein Protagonist verfolgt wird (von einer Obsession oder einem Schurken) und dass er selbst etwas verfolgt (Idee, Absicht, Person, Geheimnisse)
Mit anderen Worten: Gib deiner Geschichte einen Plot?

10. Ignoriere all diese Regeln und mach deine eigenen, die zu dem passen, was du zu sagen hast.
Okay.

(Quelle)

Ich überlege im Moment, wie ich eigentlich vorgehe, wenn ich eine Romanidee entwickle, aber es ist erstaunlich schwer, das zu systematisieren. Mal schaun.
Als nächstes kommt erstmal die lange angekündigte Rant-Review zum Hobbit Teil 2. Muss ich sogar fast nur abtippen.

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