Arbeitsweise

 

Kommunikation:
Da Corinna und ich in verschiedenen Bundesländern wohnen, konnten wir uns nicht einfach zusammen an einen Rechner setzen. Also mussten wir das größte Wunder der Moderne für uns nutzen: Das Internet *Fanfarenklänge*.
Anfangs haben wir nur per ICQ geschrieben, doch bald kam der Skype dazu, der sehr vieles vereinfacht hat. Wir konnten uns in Echtzeit ausführlich über Szenen unterhalten, schnell etwas nachfragen, abklären usw.
Phasenweise haben wir fast schon zusammengewohnt, da wir von früh bis spät per Skype verbunden waren.

Planung:
Die Grundideen für unsere gemeinsamen Werke kamen allesamt von Corinna.
Auf diesen Grundideen haben wir dann aufgebaut: Zuerst gab es ein ordentliches Brainstorming; dabei haben wir uns auf konkrete Lebenssituationen für die Hauptcharaktere, sone Art Typisierung und einige Stationen ihrer Vergangenheit konzentriert. Außerdem haben wir eine Liste von Szenen gemacht, die wir auf jeden Fall zu irgend einem Zeitpunkt einbauen wollten (Demaskierung, Geständnisse etc.) und auch eine grobe Reihenfolge dafür, aber darüber hinaus haben wir nichts im Voraus festgelegt.
Schließlich haben wir entschieden, wie wir in die Geschichte einsteigen wollen, und ab ging die Luzi.

Rollenverteilung
Die grundsätzliche Verteilung der Hauptcharaktere bedurfte keiner Überlegungen. Corinna war der Ansicht, dass ich besser für ‘Eriks’ geeignet bin, und weil ich super gerne ‘Eriks’ schreibe, hab ich da mal nichts dagegen gesagt :D Corinna hat dann die ‘Christines’ und die ‘Raouls’ übernommen.
Bei ‘Ozeane der Zeit’ gab es dann die ersten größeren aktiven Nebencharaktere in Gestalt von Gabrielle, Shea Gawaine und Maddie. Da Gabrielle ein ziemlich durchgeknallter Charakter ist, habe ich sie übernommen. Shea Gawaine haben Corinna und ich uns geteilt, da sie ursprünglich vor allem ein Funktionsträger war. Für ihr Gespräch mit Julie über Beziehungen habe ich sie dann glaub ich ein bisschen an mich gerissen, weil ich ihr gern ein menschliches Gesicht geben wollte, nachdem wir sie vorher als eine sehr oberflächlich Person haben erscheinen lassen. Maddie… Durchgeknallt… Mein Job :D
‘Die Bestie von Quevillon’ zeichnet sich durch ein krasses Ungleichgewicht der Rollenverteilung aus. Das lag vor allem daran, dass der Großteil des zweiten Buches während Noelles Gefangenschaft spielt; Noelle ist Corinnas Charakter, entsprechend musste ich alle Charaktere übernehmen, mit denen Noelle interagiert hat. Also Clemens, Tante Eulalia usw. Dass ich den sadistischen Comte schreiben würde, war sowieso klar ô.o

Szene für Szene
Der grobe Plan hat natürlich über die Kapitel hinweg mehr Details bekommen, weil uns zusätzliche Ideen gekommen sind, oder weil beim Schreiben gewisse Dinge einfach passiert sind, die notwendige Folgen nach sich gezogen haben.
Insgesamt haben wir aber lediglich geschaut, was für eine Szene notwendigerweise als nächstes passieren muss (z.B. muss auf die Einladung zum Vorsingen ein Gespräch mit dem Freund folgen) und was für Szenen wir brauchen, um von Punkt A der Geschichte zu Punkt B (einer bereits beschlossenen notwendigen Szene) zu kommen. Also wenn wir z.B. eine Charakterentwicklung brauchen, damit dieses oder jenes passieren kann, was müssen wir mit dem Charakter machen, damit er diese Entwicklung durchmacht? Oder was muss passieren, damit wir dabei diese oder jene Eigenschaften eines Charakters oder seiner Beziehung zu einem anderen Charakter darstellen können?
Wir haben uns Schritt für Schritt bis zum Ende der Geschichte vorgetastet.

Vom Chatlog zur Geschichte
Ich weiß gar nicht mehr genau, wer von uns beiden aus dem Chat in ein Textfile kopiert hat, aber ich glaube es war Corinna. Außer bei Félicie, da war ichs; ich meine mich zu erinnern, wie ich immer brav mit ~~ verziert die Namen über die jeweiligen Textstellen geschrieben habe, damit wir fürs Überarbeiten wissen, wer bei welchem Abschnitt das letzte Wort in Sachen Änderungen hat.

Überarbeiten, Überarbeiten, Überarbeiten
Unsere Maxime beim Schreiben war, dass die letzte Entscheidungsgewalt über einen Charakter und Textabschnitt bei dem liegt, der sie geschrieben hat. Das Überarbeiten sah also so aus, dass ich mir ein Kapitel vorgenommen habe (ich durfte anfangen, weil ich die pendantischere von uns beiden bin) und darin meine eigenen Textstellen überarbeitet habe, während ich an Corinnas Textstellen mit Fettdruck und vielen vielen Klammern angezeigt habe, wo ich etwas ändern würde, und wie.
Witzigerweise lief das nicht immer so 100%ig, so dass ich t.w. auch in meinen eigenen Textstellen mit Fettdruck und Klammern gearbeitet habe. Ich hoffe mal, der umgekehrte Fehler ist mir nicht so oft passiert -.-
Wir haben die Kapitel eins nach dem anderen durchgearbeitet, und dann nochmal von vorne nach der gleichen Manier. Die Überschrift dieses Abschnitts ist also eigentlich irreführend und sollte nur ‘Überarbeiten, Überarbeiten’ lauten.

High speed Kreativität
‘Ozeane der Zeit’ haben wir innerhalb eines Monats geschrieben. Vier Wochen für 41 Kapitel, bzw. knapp 400 Seiten. Die Überarbeitung hat dann in etwa nochmal genau so lange gedauert.
‘Die Bestie von Quevillon’ haben wir innerhalb von drei oder vier Monaten geschrieben. 101 Kapitel auf knapp 900 Seiten.
Es ist echt unglaublich, wieviel Kreativität freigesetzt wird, sobald man sich mit jemandem zusammensetzt und anfängt, Ideen hin und her zu werfen. Und die Dialoge! Leck mich fett. Diese Dynamik, die entsteht, wenn man sich tatsächlich als ein Charakter mit einem anderen Charakter unterhält. Man kann einfach in der Rolle bleiben, kann total darauf fokussieren, wirklich darin aufgehen… Noch authentischer gehts fast nicht.

Fazit
Ich kann wirklich jedem Autor nur ans Herz legen, mindestens einmal im Leben so ein Gemeinschaftsprojekt zu machen. Man lernt so viel dabei, von der Arbeitsweise des anderen, durch den Umstand, dass man nicht einfach mal beim Überarbeiten eine Szene umstellen kann, sondern gezwungen ist, eine Lösung innerhalb der gegebenen Strukturen zu finden, durch den Umstand, dass man seine eigenen Ideen als absolut auf einer Augenhöhe mit den Ideen des anderen sehen muss, und dass man die Gelegenheit hat, Dinge auszuprobieren, die man selbst nicht für optimal hält, und dann zu sehen, wie sie doch funktionieren und wirklich aufblühen, weil man ihnen die Chance dazu gegeben hat.

Letzter Satz
Ich hatte einen irrsinnigen Spaß mit Corinna, und das zeigt: Auch wenn man ansonsten nichts gemeinsam hat, die Begeisterung für das Schreiben kann eine mehr als ausreichende Plattform sein, um einander auf eine unglaublich intensive, tiefe Art zu begegnen und einander schätzen zu lernen, ehe man wieder seiner eigenen Wege geht.