Diktaphon(App), yeah! oder: Reden statt Schreiben

/ September 4, 2014/ Schreibtips, Software und Hardware/ 4Kommentare

Ich habe die Angewohnheit, während ich so im Einschlafen begriffen bin, schonmal ganze Szenen (oder Songtextparodien) in meinem Kopf auszuarbeiten. Also, nicht nur so ‚das und das passiert und dann das‘, sondern schön formuliert, Wort für Wort, mit Dialogauszeichnungen und Suche nach der besten Formulierung und allem. (Das Ergebnis hält einer klarer denkenden Überprüfung am nächsten Tag zwar nur in ~70% der Fälle stand, aber das macht ja nix.)
Ich weiß nicht warum, aber wenn ich mich dann aufsetze und das Licht anmache, ist der Moment vorbei. Und meistens bin ich auch zu tranig, um geradeaus zu gucken und will die Augen nicht aufmachen. Das heißt, ich versuche dann, die Szene auswendig zu lernen, damit ich sie am nächsten Tag aufschreiben kann. Das klappt auch meistens, aber ich misstraue meinem Gedächtnis und habe immer ein super schlechtes Gefühl, bis ich die Sache endlich auf Papier habe.

Gestern Abend war wieder so eine Gelegenheit. Aus irgend einem Gedankengang, an den ich mich jetzt nicht mehr erinnern kann, ist zufällig der Anfang für eine Kurzgeschichte geworden, die ich dann mal eben komplett im Kopf fertiggeschrieben habe. Diese Geschichte ist für einen Contest gedacht, d.h. ich wollte sie noch dringender behalten als andere Texte.
Da fiel mir dann plötzlich ein, dass man mit meinem Schmartphone ja auch Ton aufzeichnen kann. Was ich dann tat. Das war großartig. Auch wenn ich heute beim Abtippen das eine oder andere mal ziemlich kichern musste, weil ich im Halbschlaf irgendwie lasziv und angetrunken klinge und Streckenweise nach jedem Wort eine lange lange Denkpause kam, in der ich mich an die Formulierung zu erinnern versuche.

Nach dieser Kurzgeschichte hab ich dann gleich noch den Anfang für eine Szene von ‚Das Prinzip der Schönheit‚ runtergelabert, weil irgendwie muss ich die Zeit bis ich einschlafe ja totkriegen.

Weil die im Lieferumfang enthaltene Diktaphon-App meines Handys ziemlich beschissen ist und mein halbschlafender Kopf außerdem nicht drauf kam, dass es ja auch ein Schnellzugriffmenü und all solche tollen Sachen gibt, die verhindern, dass man Menüs hin- und her wischen und mehrmals das richtige Dingens anklicken muss und es mehr als zehn Sekunden dauert, die falsch angeklickte App wieder zu schließen und die richtige zu finden und nicht aus Versehen ins falsche Menü rüberzuspringen und die App verdamtnochmal endlich zu starten, hab ich dann noch – auf meinem Handy, ich bin so schmerzfrei – nach Diktiergeräten gegooglet. Die kosten aber komischerweise alle Geld. Und Geld ist bekanntlich etwas, das ich nicht habe.
Heute früh fiel meinem Kopf dann wieder ein, dass es ja Schnellzugriff und so gibt, weshalb eine App die Lösung meines Problems darstellen würde.
Ich also den Play-Store nach Diktier-Apps durchsucht. Und siehe: Der Hersteller der hochgelobtesten digitalen Diktiergeräte auf der ersten Seite der amazon-Suchergebnisse für ‚digitales Diktiergerät‘ bietet eine solche App für lau an. Eine richtig tolle sogar, bei der man eine Aufnahme pausieren, was einfügen oder übersprechen, Notizen und Fotos anfügen und den ganzen Kram auch noch per email verschicken kann. Für lau und ohne Werbung!!!1!

Diese ganze Angelegenheit sagt mir sehr zu. Ich werde deshalb in der Zukunft häufiger von der Möglichkeit Gebrauch machen, einfach mit geschlossenen Augen vor mich hin zu labern.
Auch wenn es natürlich nicht so ist, dass das weniger Energie kosten würde, als zu Tippen. Nein, nein.
Aber macht nichts. Ausgedacht ist ausgedacht und festgehalten ist festgehalten.

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