Gut erzählt: Die Tribute von Panem / The Hunger Games

/ Januar 13, 2014/ Alle Posts mit Feminismus, Gut erzählt, Reviews/ 4Kommentare

katniss_rue

Statt eines Jahresrückblickes erzähl ich mal, was meine bessere Hälfte und ich an Silvester und danach getan haben. Und zwar haben wir Pizza mit Allem gegessen und die ersten beiden Hunger Games-Filme geguckt.

Ich bin von den Filmen sehr angetan, auch wenn sie ein paar Fehler haben. Da wir mitten im ersten Film unterbrochen haben, weil der Dschungel so langweilig wurde und die bessere Hälfte schlafen wollte (der Internationale Tag des Sprengstoffs ist kein Grund, wachzubleiben), weiß ich nicht mehr, wo der eine aufhört und der andere anfängt, aber das ist wahrscheinlich auch egal.

Fang ich mal mit dem an, was mir gefallen hat (Achtung Spoiler):

1. Die Hohen Tiere von Panem
Effi ist ganz am Anfang der Geschichte die Antwort auf die Frage: „Was genau bedeutet eigentlich ‚Privilegiertheit‘?“ Sowas von schmerzbefreit und ahnungslos, die trampelt alles nieder. Das ist so typisch für Leute, die vor lauter Privileg nicht mehr aus den Augen gucken können. Dann entwickelt sie sich weiter – meine bessere Hälfte hats vorhergesagt, ich selbst war positiv überrascht – und tritt damit den Beweis an, dass sie im Grunde ein liebes Kerlchen ist. Sie hat ihre Rolle zu spielen und sie spielt sie weiterhin, aber sie erkennt zumindest einige ihrer Privilegien und wendet sich gegen das System, das dafür sorgt, dass selbst grundlegendste Privilegien (Menschenrechte z.B.) so untragbar weit von Universalität entfernt sind.

Dann der Moderator mit den blauen Haaren! Großartig gespielt. So creepy mit seinem Grinsen, und die manipulative Art, wie durch ihn die Spiele und ihre Opfer dargestellt werden, das Framing von Tötung und Zwang zum Töten als edle Angelegenheit, und dazu dieser gespielt mitfühlende Fatalismus von wegen, ach so schade, dass wir nur einen von denen wiedersehen werden *tränchenkuller*. Und auch hier, Privilegiertheit ohne Ende, null Empathie, null Ethik.
Das ist so perfide. Das System, das er repräsentiert, erkennt, dass Menschen im allgemeinen ein Bedürfnis danach haben, von Mitgefühl umgeben zu sein, und es nutzt dieses Bedürfnis schamlos aus.
Im Grunde genommen sind die Hungerspiele eine nach Zufallsprinzip und ohne jeden gerichtlichen Prozess gegen Kinder verhängte Todesstrafe. Der gewöhnliche Umgang mit Todesstrafe scheint zu sein, die Opfer schlechtzureden, so von wegen „Diese_r schreckliche Mörder_in/Verräter_in/Ungläubige muss getilgt werden. Ein solcher Unmensch hat das Leben nicht verdient. Wir können unseren Hass nur angemessen ausdrücken, indem wir ihn_sie ermorden.“ Und ein Stück weit bleibt der Aspekt der Strafe in der Darstellung erhalten, weil die Spiele ja nun als Strafe für einen Aufstand verhängt wurde (somit wird den Opfern der Staatsgewalt, den Zivilisten in den Distrikten, die Schuld für ihren Opferstatus gegeben; hätten sie nicht rebelliert, müssten wir jetzt nicht ihre Kinder in einer Arena kämpfen lassen). Aber darüber wird eine fette Portion Spin gelegt.
Aus der de facto Todesstrafe für Kinder wird ein heiliger Akt der Buße und der Erinnerung an den Wert des Friedens. Und das System sagt: „Das tut mir mehr weh als dir, mein Sohn.“, indem die ‚Trauer‘ im Kapitol einen rituellen Platz bekommt – wenn auch ganz am Rande.
Besonders pervers ist die ‚Bewunderung‘, die den Opfern im Vorlauf der Spiele entgegengebracht wird. Das ist so, als würde man Sklav_innen dafür bewundern, dass sie so fleißig arbeiten und all die Peitschenhiebe aushalten (die sie ja auch nur bekommen, wenn sie nicht tun, was ihnen gesagt wird).

Präsident Snow fand ich im Vergleich dazu langweilig. Er ist zwar dahingehend innovativ gezeichnet, dass er nicht der manische, neurotische Typ Tyrann ist, den man aus vielen anderen Darstellungen kennt, sondern ein ruhiger Kerl, der eher nicht getrieben wirkt. Aber mir fehlt eine konkrete Motivation für ihn. Sicher, er ist der Präsident und er macht ’nur‘ seinen Job, aber was sind seine konkreten Ideale? Warum findet er den Status quo von Panem schützenswert?

2. Prims Hintergrundgeschichte und Entwicklung
Der Hintergrund wird zwar nur angedeutet, aber er gefällt mir. Katniss, die nach dem Tod des Vaters die Rolle der labilen Mutter übernehmen muss. Prim kam mir am Anfang etwas sehr abhängig und neurotisch vor (andererseits, holy shit, die Hungerspiele!) aber im Laufe der beiden Filme entpuppt sie sich als starke Persönlichkeit, die Verantwortung übernimmt und an Katniss‘ Seite kämpfen möchte. Ich mag das. Ich mag starke Mädchen. Es sollte viel mehr davon geben, im Kino und Fernsehen.

3. Katniss
Katniss, auch so ein starkes Mädchen. Mir gefällt vor allem, dass sie zwar unfreiwillig in ihre jeweilige Situation hineinstolpert, dass aber dennoch ihre Entscheidungen der Grundlegende Faktor beim Entstehen der Situationen sind.
Die Hungerspiele sind keine opt-in Angelegenheit, sie finden statt und niemand kann etwas dagegen tun. Aber Katniss entscheidet sich aus eigenem Antrieb, sich freiwillig zu melden, um ihre jüngere Schwester vor dem sicheren, grausamen Tod zu bewahren. (Hier gefällt mir vor allem, dass Katniss nicht sofort reflexartig vorprescht, sondern ein paar Sekunden braucht, um ihre tatsächliche Entscheidung zu fällen. Kann natürlich sein, dass sie in der Zeit schreckensstarr und -stumm dasteht, aber wenn dem so ist, wurde es entweder nicht gezeigt oder ich habs übersehen.)
Dass sie zum Mockingjay der Distrikte wird, war auch nicht so geplant, aber ihre Entscheidung, sich öffentlich mit großer Geste gegen das System zu wenden, hat das ganze erst möglich gemacht.
Außerdem mag ich, dass sie durch erlernte, geübte Fähigkeiten überlebt.
Mir geht das Harry Potter-Prinzip so auf den Sack, wo der_ie Held_in eines Tages feststellt, dass sie was ganz besonderes ist, ohne jemals irgendwas dafür getan zu haben. Sicher, auch das Zaubern will geübt sein, aber die grundlegende, exklusive Fähigkeit hat er von Geburt an. Das ist so einfallslos und ausgelutscht.

Katniss‘ ‚Dinge‘ mit Peeta und Gale haben mich etwas ratlos zurückgelassen, auch wenn mir gefällt, dass diese Sache nicht so im Vordergrund der Geschichte steht und zwischen den Charakteren verhältnismäßig ‚erwachsen‘ verhandelt wird.
Ich meine, es ist ja voll legitim, Beziehungen nicht näher zu definieren, sich nicht an traditionellen Schemata zu orientieren und mehr als einen Menschen zu lieben. Ich sehe auch durchaus, welche Qualitäten Gale und vor allem Peeta hat. Aber irgendwie… Ich wüsste einfach gerne, was in Katniss vorgeht. Das muss nichtmal klar und eindeutig sein, sie muss keine Antworten haben, sie kann völlig unschlüssig sein; aber ich hätte gern einen Einblick, der klarstellt, wie sie wo unschlüssig ist und warum genau. Die Darstellung im Film war so milliardenfach mehrdeutig, dass es mir vorkommt, als wäre der Kram nur eingeworfen, weil ein Liebesdreieck halt irgendwie unterhaltsam ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht so ist, dazu ist alles andere am Film zu ausgereift. Aber ein paar Dialogzeilen mehr hätten hier den großen Unterschied gemacht.

Ich mag außerdem, dass Katniss in jeder anderen Hinsicht so stringent und sich selbst treu bleibend agiert, dass man schon echt komisch sein müsste, um ihr in Sachen ‚Dinge‘ Flatterhaftigkeit vorzuwerfen.

4. Peeta
Peeta ist großartig. Das liegt wahrscheinlich zu einem großen Teil daran, dass seine nicht-hilflose Hilflosigkeit am Anfang nicht so super ausführlich dargestellt wird und Katniss ihn ziemlich effektiv mitschleift. Aber er ist so wunderbar erwachsen und nicht-passiv-aggressiv wenn es um das Beziehungsdings geht. Er will klar darüber kommunizieren und er hat die Absicht, Katniss‘ klare Ansage zu respektieren. Er spricht auch an, wie er sich in Sachen Beziehung fühlt, sprich, er hat komplexe Emotionen, die er wahrnehmen, identifizieren und in Worte kleiden kann. Sowas ist eher selten für die populären Darstellungen junger Männer.
Ich denke mir, man hätte ihn noch klarer portraitieren können. Es ist nämlich verwirrend. Er hat keine Ahnung, was er tun soll, tut aber sehr selbstbewusst etwas. Zum Beispiel Rat bei Haymitch suchen, lächeln, nicken, taktisch klug lügen. Katniss ist da viel gradliniger. Man kann sie meist einordnen und einschätzen. Bei Peeta geht das nicht. Ich meine, er trifft gute Entscheidungen, er ist eine ehrliche Haut, man kann ihm vertrauen. Aber seine Persönlichkeit lässt sich nicht so leicht in Begriffe fassen.

5. Haymitch
Woody Harrelson hat als Privatperson bei mir ziemlich verschissen, weil er ein 9/11 Truther ist. Entsprechend war ich nicht so super begeistert, ihn in diesem Film zu sehen.
Zum Glück ist Haymitch nicht Woody Harrelson, sondern Haymitch.
Ich mag Haymitch nicht besonders gern, aber mir gefällt, dass er so einer von den Charakteren ist, die man erst nach und nach kennenlernt, weil man sie nicht vom ersten Auftritt an richtig einschätzen kann. Er ist ein Stück weit die Antithese des Spins, den das Kapitol den Hungerspielen verpasst. Ein Sieger, ja, aber hat er tatsächlich was gewonnen? Irgendwie nicht. Irgendwie hat er eher sehr sehr viel verloren und absolut überhaupt nichts dafür zurückgekriegt.
Ich hab ja den Verdacht, dass Katniss ihn so wenig mag, weil er der lebende, atmende Beweis dafür ist, dass sie für den Rest ihres Lebens tief in der Scheiße stecken wird, unabhängig davon, wie viele Jahre dieser Rest auch umfassen mag. Solange man kein mordgeiler Carriero ist, wird man von den Hungerspielen zerstört. Punkt.

6. Der sozialkritische Inhalt
Die Hungerspiel-Trilogie wird von manchen als ‚Battle Royale ohne all die Sozialkritik‘ beschrieben. Ich hab weder das Buch, noch den Film zu BR gesehen und kann mich daher dazu nicht äußern. Die Hungergames-Bücher hab ich auch nicht gelesen.
Aber wenn Battle Royale es tatsächlich schafft, noch sozialkritischer zu sein als die beiden Filme, die ich bisher gesehen habe, bin ich ehrlich beeindruckt.

Mir wurden die Hungerspiele als Metapher für die moderne Medienlandschaft vorgestellt. Aber wie auch immer die Autorin die Sache gemeint hat, ich glaube, wenn man die Geschichte nur als Medienkritik betrachtet, holt man nicht alles aus ihr raus was geht.
Sicher, die Medien betreiben Framing und anscheinend sieht die Masse gern (ehemals) erfolgreichen Menschen beim Leiden und Sterben zu. Vielleicht guck ich auch schon seit über zehn Jahren kein Fernsehen mehr und hab keine Ahnung, was da so abgeht :D Aber ich würde die Hungergames eher als Einstiegsdroge für ein gesteigertes Interesse an Sozialer Gerechtigkeit sehen.

Privilegiertheit und der immense, ekelhafte Schaden der von ihrer Exklusivität verursacht werden kann, stechen in beiden Filmen extrem ins Auge, aber auf eine erfrischend konstruktive Weise. In Effi wird Privilegsträger_innen zugestanden, trotz aller Indoktrination immer noch menschlich zu sein, mit Gefühlen, Empathie, Lernfähigkeit und einem Herzen am rechten Fleck. Es gibt so viele Geschichten, in denen Privilegsträger_innen als reines Feindbild dienen und die Unterprivilergierten die moralisch überlegenen Held_innen sind, die die Privilegierten gewaltsam abschaffen. Das ist so kontraproduktiv und nicht sozial gerecht.
Sicher, Leute, die sich ihrer Privilegien nicht bewusst sind, sehen von ‚unten‘ immer extrem unsensibel aus – einfach weil sie in dieser Hinsicht extrem unsensibel sind – aber solange sie keine Libertarianer sind (‚Teilen ist Diebstahl‘), besteht Hoffnung, dass sie lediglich ein Informationsdefizit haben, auf das man sie aufmerksam machen kann1. Problem Nummer Zwei ist, dass viele Leute reflexhaft mit dem Herauskehren ihres inneren Arschlochs reagieren, wenn man das tut – man muss nur mal eine_n Rassist_in als Rassist_in bezeichnen, oder eine_n elitäre_n Wichser_in als elitäre_n Wichser_in – aber zumindest eine Teilursache dieses Phänomens ist die Darstellung von Privilegiert = Böse. Es vermittelt Privilegierten den Eindruck, es werde von ihnen erwartet, ein schlechter Mensch zu sein und sich zu schämen, nur weil sie privilegiert sind.
Das ist natürlich Quatsch, denn ein Mensch kann genau so wenig für die eigenen Privilegien wie für die eigene Hautfarbe – was witzigerweise beides eng miteinander verbunden ist. Soziale Gerechtigkeit verlangt nur, dass sich jede_r ihrer_seiner Privilegien bewusst wird, auf die Bedürfnisse weniger privilegierter Menschen Rücksicht nimmt und sich zumindest nicht in den Weg stellt, wenn andere Leute dafür kämpfen, dass so viele Menschen wie möglich freien Zugang zu so vielen Privilegien wie möglich haben.

Wie dem auch sei.
Ich finde diesen Aspekt der Sozialkritik bei den Hungergames sehr gut gelungen. So gut, dass er alles andere derart überschattet, dass ich mich nicht mehr dran erinnern kann, was sonst noch an Sozialkritik vorkam. Vielleicht ist Privilegiertheit auch nur der Kern sozialer Gerechtigkeitsfragen und alles andere leitet sich daraus ab.

Alles in allem portraitieren die beiden Filme eine klassische, gewaltbereite Diktatur, und ich finde es wichtig und gut, junge Leute in einer so konstruktiven (und bunten!) Weise mit diesen Themen zu konfrontieren. Wir Menschen als Spezies können jedes bisschen Interesse an Sozialer Gerechtigkeit brauchen, das wir kriegen können.

Kommen wir zu den Dingen, die mir nicht so gefallen haben.

1. Die Generalüberwachung
Im krassen Gegensatz zu den glorifizierten Hungerspielen stehen die ruhmlosen Auspeitschungen und Hinrichtungen, die zum normalen Tagesgeschehen zu gehören scheinen. Mich würde mal sehr interessieren, ob die auch im Kapitol ausgestrahlt werden, oder ob da nur die Glamour-Variante gezeigt wird, während den Distrikten immerzu die dreckige Gewalt unter die Nase gerieben wird.
Als Gale ausgepeitscht wird und Katniss, Haymitch und Peeta dazwischengehen, wird das anscheinend gesendet (mit 5 Sekunden Verzögerung), aber es wird nicht genau gesagt, wo und in welchem Format.
Es scheint mir hochgradig unwahrscheinlich, dass sämtliche Feeds der staatlichen Überwachung für Normalbürger zugänglich sein würden, aber genau so komisch wäre es, wenn die Feeds von super geheimen Überwachern gefiltert würden, ehe sie an die weniger geheimen staatlichen Überwacher gehen. Oder wird das per Software geregelt?
Ich weiß ja nicht. Aber vielleicht sind angezapfte Feeds aus den Distrikten ein weiterer Grund dafür, dass sich auch im Kapitol eine Menschenrechtsorganisation gebildet hat? Erfahren wir das im dritten Teil?
Es ist auf jeden Fall merkwürdig und ungereimt.

2. Zwölfjährige?
Ich meine, ja, Diktaturen stumpfen ihre Anhänger_innen ab und es gibt gruppendynamische und individualpsychologische Mechanismen, die sich wunderbar eignen, um Menschen ihre Menschlichkeit soweit auszutreiben, dass sie glauben, ihre Abartigkeit wäre in Wahrheit richtig, gerecht und gut.
Und, ja, es gibt so einige Arschlöcher, die nach dem Ansehen des ersten Teils der Hungergames meinten, im Buch hätte Rues Tod sie ja voll mitgenommen, aber weil das Mädchen im Film schwarz ist (ist sie im Buch auch, aber das haben die Rassisten geflissentlich überlesen), war es ihnen auf einmal egal, dass sie stirbt.
Aber eine Todesstrafe für Zwölfjährige??? Hat diese Gesellschaft vergessen, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind?

3. Die Heldenorganisation im Hintergrund
Das schmeckt so nach Deus ex machina. Ich meine, ja, dass Plutarch auf Seiten der Revolution steht, wurde gleich am Anfang des zweiten Films angedeutet, aber es hätte mir besser gefallen, wenn schon im ersten Teil gezeigt worden wäre, dass es im Kapitol Widerstand gibt. Die hätten ja gar nichts tun müssen, die Leute. So eine Einstellung mit einer Gruppe bunter Kapitoler, die schweigend, zornig, angeekelt der Eröffnungsfeier zusehen und vielsagende Blicke tauschen, das hätte schon gereicht.
Da kann man jetzt vielleicht sagen „Aber die Spannung! Die Spannung!“.
Dazu sage ich: „Ich fand es sehr spannend, darauf zu warten, was Plutarch tun wird. Diese Ankündigung im Hintergrund, dass die Revolution schon länger auch im Kapitol Fuß gefasst hat, eröffnet so viele Möglichkeiten und so viel Unvorhersehbarkeit, während ein Deus ex machina einfach so plopp die Luft rausnimmt. Deus ex machina kündigt an: ‚Wahrscheinlich wird alles gut werden, weil wir voll die Technik und voll die Möglichkeiten haben.‘ Eine angewidert schweigende Gruppe Kapitoler kündigt an: ‚Die Sache ist größer, als sie erscheint, und es wird sehr viel passieren.'“

4. Katniss‘ angebliche Schwangerschaft
Also, obwohl der ganze Zuschauersaal blökt, dass eine schwangere Katniss auf keinen Fall in die Arena gehen darf, werden die Spiele nicht abgesagt? Unrealistisch. Also, nicht dass die Spiele trotzdem stattfinden, aber dass es keinen Aufstand gibt.
Dabei wäre es so einfach gewesen, ihr einen Schwangerschaftstest in die Hand zu drücken und Ultraschallbilder ihres leeren Uterus zu veröffentlichen.

5. Sonstige Kleinigkeiten

  • Im ersten Teil werden die Spiele viel zu lange gezeigt. Ich hatte zwischenzeitlich die Befürchtung, dass sich die Geschichte im Sumpf eines Survival-Streifens verlieren wird. Klar, die Spiele geben der Geschichte ihren Namen, aber sie sind ein Pars pro toto und ich hätte stattdessen lieber mehr über Präsident Snow und die Heldenorganisation im Hintergrund erfahren.
  • Warum kommen sie nicht gleich drauf, dass sich (fast) alle außer den Carrieros verbünden könnten? Ich meine, das war mein allererster Gedanke, als die Wiederholungsspiele angekündigt wurden. „Cool, jetzt können die Guten geschlossen in den Wald abhauen, die Carrieros und Spaten plattmachen und dann demonstrativ das Weiterkämpfen verweigern.“
  • Das mit dem Schuss in den Himmel hab ich nicht verstanden. Ich meine den Pfeil am Blitzbaum. Ich verstehe, dass Katniss die Kuppel kurzgeschlossen hat, aber sie hat den Anfang des Kabels an den Pfeil gebunden, d.h. die Seite, die den Strom aufnehmen sollte. Wo kommt also der Strom her, der die Kuppel kaputt macht?
  • Zu viel zu hohe Technik. Ja, vieles beruht darauf, aber man hätte auch Lösungen finden können, die vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Entwicklungsstandes menschlicher Technologie etwas weniger nach Magie aussehen.

Und das wars auch schon. Ich bin sehr gespannt auf den dritten Teil, und wenn die Bücher die Stärken des Films haben, ohne dabei mehr Schwächen zu haben, werd ich die wohl auch mal lesen. Aber da warte ich noch auf Elas Urteil.

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1 Das soll nicht heißen, dass Unterprivilegierte die Pflicht haben, Privilegierte aufzuklären. Jeder_m steht die Entscheidung zu, sich gar nicht, nur kurz, ausführlich oder in einem langen, leidenschaftlichen Rant zu äußern.

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