Kunst, Sartre, Buddhismus und Zwölftonmusik (und der gute alte Lovecraft)

/ Juli 7, 2013/ Meine Schreibe und ich, Philosophisting/ 2Kommentare

Foto einer roten Katze mit offenem Mäulchen, der durch Bildmanipulation fünf zusätzliche Augen auf das Gesicht gesetzt wurden.Ein Artikel, in den Terry Pratchetts Geschichte von der uralten Zwergenaxt thematisch super reinpassen würde, der sie aber nicht enthält, weil ich mich schon frühzeitig auf meine Katze, Landmassen und Nationen eingeschossen habe und dann zu faul war, das ganze nochmal zu ändern, auch wenn mir bewusst ist, dass die Axt diesen Artikel wahrscheinlich unterhaltsamer gestalten würde als Landmassen und Nationen es je könnten (meine Katze läuft außer Konkurrenz, da dies das Internet ist und Katzen das Internet regieren), aber vielleicht können Lovecraft und die massiven Quietscheentchen aus Knete die Sache ja noch rausreißen.
Der vorangegangene Satz ist 94 Worte lang, auch wenn mein Schreibprogramm behauptet, es wären 94 Wörter.
Die Titelsilben bilden übrigens (fast) eine Fibonaccifolge sofern man ‚und Zwölftonmusik‘ und den Inhalt der Klammer jeweils als Einheit betrachtet. Cool, huh?

Kommen wir aber zum eigentlichen Artikel.

Die Frage, was überhaupt Kunst ist, ist genau so sinnlos wie die Frage, was Intelligenz ist.
Beides sind Konzepte, die wir uns ausgedacht haben:
Intelligenz ist die Fähigkeit, an einem1 Intelligenztest teilzunehmen.
Kunst ist etwas, das Leute für Kunst halten.

Dieses Spiel kann man ziemlich weit treiben.

Hier der buddhistische Teil:
Was ist ein Stuhl? Ist eine Sitzfläche mit Beinen und Lehne ein Stuhl? Wie kann ein Stuhl etwas sein, das aus lauter Dingen besteht, die kein Stuhl sind? Im Buddhismus wird dieses Phänomen als ‚Leere‘ bezeichnet. Der Stuhl ist ‚leer‘, weil es einen Stuhl an sich (Japp, das ist Kant. Und ich verbiege seine Begrifflichkeit. Komm damit klar.) – ein Ding mit der von allem anderen unabhängigen Identität ‚Stuhl‘ – nicht gibt, sondern nur das Zusammenwirken von Einzelteilen, das sich als Stuhl äußert, ohne eine eigene, dingliche Existenz zu besitzen.
In westliche Terminologie gepackt wäre Leere ≈ Emergenz.

Die Leere des Stuhls bedeutet außerdem, dass sich die Einzelteile, aus denen er besteht, nicht notwendigerweise zu einem Stuhl zusammenfügen müssen. Für meine Katze ist ein Stuhl mal ein Bett, mal ein Dach, mal eine Leiter, für eine Überlebende in der Zombieapokalypse ist der gleiche Stuhl eine Waffe, und wenn nach Zusammenbruch der Zivilisation der Winter kommt, ist er sehr wahrscheinlich Brennholz.
Der Stuhl entsteht also nicht nur im Zusammenwirken seiner Einzelteile – das letztendlich nur einen Raum an Freiheitsgraden der Verwendung absteckt – er entsteht auch durch seine Verwendung. Die Verwendung des Stuhls lässt sozusagen die Wellenfunktion der möglichen emergenten Identitäten für die begrenzte Zeit seiner Verwendung kollabieren.

Frage: Ist ein Stuhl auch dann ein Stuhl, wenn niemand da ist, um ihn als Stuhl zu verwenden?
Intuitiv wäre die Antwort „Ja“, vor allem weil ein Stuhl etwas ist, das mit Absicht als Stuhl von einem Menschen zusammengesetzt wurde.
Nehmen wir also einen großen, sonnengewärmten Stein am Rande eines Weges. Dieser Stein ist (auch) ein Stuhl, sobald jemand darauf sitzt. Und wenn dieser Jemand wieder aufsteht, ist der Stein wieder nur ein Stein. Dieser Stein ist ein Nussknacker, aber nur solange jemand Nüsse darauf knackt. Verwendung gibt vorübergehende Identität. Eine Identität außerdem, die nur im Verhalten und dem Bewusstsein derjenigen Person existiert, die die Verwendung durchführt, imaginiert, oder beobachtet.
Ein Stuhl ist ein mentales Konstrukt, das ohne menschliche Sinn- und Identitätszuweisung nicht existiert. Ein Stuhl ist etwas, das existiert und doch nicht existiert.

Gehen wir einen Schritt weiter.
Was ist eine Katze? Krallen sind keine Katze, Zähne sind keine Katze, eine einzelne Hautzelle einer Katze ist keine Katze, das Herz einer Katze ist keine Katze. Auch die Katze ist also emergent. Und wie der Stuhl existiert die Katze als diskretes, kohärentes Phänomen nur im menschlichen Bewusstsein.
Will meinen: Die Atome, aus denen sich meine Katze zusammensetzt, sind Milliarden von Jahren alt. Sie wurden größtenteils in Sternen und ihren Supernoven erbrütet. Meine Katze frisst geschredderte Kuh, geschreddertes Hühnchen, geschredderten Fisch, und die jahrmilliardenalten Atome, die einmal diese Tiere geformt haben, werden in den Organismus meiner Katze integriert, darin herumgeschoben, verwendet, recycled, ausgeschieden (oder abgeworfen; Haare meiner Katze finde ich sogar in meinem Müsli und meiner gottverdammten Unterwäsche).
Meine Katze ist ein im Fluss befindliches Phänomen, das auch in der zeitlichen Dimension in ständigem, fundamentalem materiellem Wandel begriffen ist. Was heute ‚meine Katze‘ ist, war vor zwölf Jahren noch zu 100% über diesen Planeten verstreut, und was sie vor elf Jahren war, ist heute ebenso wieder verstreut. Meine Katze ist nur ein Kondensationskern. Was sie mal war und was sie sein wird, ist weit weg, verstreut, längst schon wieder Teil von etwas anderem, das sich ebenso im Fluss befindet, und die Fliege, die sie morgen erlegen und fressen wird.
Ist meine Katze eine Fliege? Ist die Fliege eine Katze? Warum definiere ich meine Katze als etwas diskretes, wenn sie schon morgen nicht mehr von dieser Fliege verschieden sein wird?

Meine Katze ist ein mentales Konstrukt, geboren aus der Begrenztheit meiner menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit sowohl in den räumlichen, als auch der zeitlichen Dimension.
Die Plattentektonik, die während der gesamten Zeit ihrer ‚Existenz‘ die Form, Position und Anzahl der Kontinente der Erde verändert hat, offenbart sich uns nur durch ihre Folgen. Die Kontinente sehen für uns stabil aus, aber wenn wir eine Lebensspanne von einer Milliarde Jahren hätten (etwas mehr als ein Fünftel des Alters der Erde), und unsere Wahrnehmung diese Milliarde Jahre so erscheinen ließe, wie uns der Zeitraum einer (für westliche Verhältnisse) üblichen menschlichen Lebenserwartung von ±80 Jahren vorkommt, und wir zusätzlich eine Überblicksposition in einem hohen, geostationären Orbit hätten, wäre die Sache eine andere. Wir könnten zusehen, wie die Landmassen auf der für uns sichtbaren Hemisphäre herumgleiten wie sehr massive Quietscheentchen aus Knete in einer Badewanne.
Die Existenzspanne dessen, was ich liebevoll als ‚meine Katze‘ bezeichne (genau so wie die Existenzspanne dessen, was ich liebevoll als ‚ich‘ bezeichne), wäre so schnell wieder vorbei und ihre physischen Dimensionen so vernachlässigbar, dass sie dem Beobachter im Orbit nicht als separates Phänomen auffallen würde.
Wenn wir die Auflösung unserer Wahrnehmung da oben im Orbit so hoch setzen, dass wir die Wanderungen einzelner Atome und die je aktuelle Dichte ihrer diversen Zusammenrottungen beobachten können, würde meine Katze ebenfalls nicht auffallen, sondern wäre nur ein willkürlich festgeschriebener, beweglicher Sektor im allgemeinen Schaum des Stoffaustauschs.

Vielleicht ist meine Katze so etwas wie eine historische Nation. Bürger werden aufgenommen oder geboren, wandern aus oder sterben, Konflikte mit anderen Nationen verändern ihre Umrisse, ihre Ausdehnung auf der Landkarte, die Regeln, nach denen sie funktioniert, aber trotzdem verstehen wir die Nation noch als diese eine, spezifische Nation (gut, abgesehen von irgendwelchen Faschisten, die der Meinung sind, dass eine Nation bevölkerungstechnisch weder essen noch ausscheiden und irgendwann kulturell bis auf die Knochen abgemagert an einer Straßenecke verrecken sollte…). Wohl weil sich ein ausreichend großer Teil ihrer Bestandteile als ihr Bestandteil verstehen. Auf meine Katze übertragen wäre das Selbstverständnis der Bürger die DNA ihrer Zellen.

Fassen wir mal kurz zusammen:
Meine Katze gibt es eigentlich gar nicht; jedenfalls nicht in dem Sinne, in dem wir, mit unserer menschlich begrenzten Perspektive, dieses ‚etwas geben‘ wahrnehmen.
Wenn ich meiner Katze mit ihrer geliebten Klobürste ihren pelzigen kleinen Fetischistenhintern versohle, interagiere ich mit etwas, das ich ausschließlich deshalb als diskretes Phänomen wahrnehme, weil mein Gehirn bestimmte Erwartungen an die Welt hat, weil es Muster sucht, handlebare Portionen an Materie und versteh- und damit vorhersebare kausale Interaktionen zwischen diesen Materieportionen.

Die Welt wie wir sie kennen, ist ein Konstrukt, geboren aus den funktionellen Bedingtheiten unseres Wahrnehmungsapparates.

Und hier kommt endlich Sartre ins Spiel.
Sartre ist diese ganze Sache nämlich auch aufgefallen (‚Der Ekel‘), und er fand sie extrem beunruhigend, ja welterschütternd – vor allem weil er (zumindest im Ekel) einen irgendwie nicht von intellektueller Rigorosität zeugenden Fehler gemacht hat: Bei der schockierenden Erkenntnis stehen zu bleiben und zu weinen, anstatt den eigenen Ansatz konsequent und ohne die als falsch erkannten Erwartungen weiterzudenken.

Aber fangen wir aber mal von vorne an, so wie Sartre die Sache angegangen ist. Ich verspreche, ich schaffe den Bogen zurück zur Kunst. Ihr werden schon sehen :D

Roquentin sitzt im Park auf einer Bank und stellt fest, dass er ein Stück Baumwurzel, das neben ihm aus dem Boden ragt, niemals in seiner schieren sinnlichen Fülle in Worte übersetzen könnte (wie jeder weiß, der mal versucht hat, etwas komplexes im Detail zu beschreiben ohne ätzend dröge langweilig unverständlich zu werden). Das heißt, die Struktur der Sprache ist nicht die Struktur der Welt, und nichts kann in die Struktur der Sprache übersetzt werden, ohne extrem an Substanz zu verlieren.
Roquentin ist ab-so-lut schockiert: Logik und Kausalität sind Strukturen der Sprache! Was, wenn nichts in die Struktur von Logik und Kausalität übersetzt werden kann, ohne extrem an Substanz zu verlieren!!! Was, wenn das, was wir für eine nachvollziehbare, überschaubare Welt halten, nur der winzige Anteil der Gesamtwelt ist, der in unsere Denkstrukturen übersetzt werden kann!!!!! (yep, fünf, und wir alle wissen, was das heißt2)

Ab diesem Punkt würden Sartre und ich denkmäßig getrennter Wege gehen.

Ich nehme die Abzweigung Richtung ‚Was, wenn es da draußen eine Welt gibt, die mir gar nicht zugänglich ist, die ungehört und ungesehen existiert? Was, wenn mir nur ein winziger Ausschnitt zugänglich ist, und ich in einer kleinen Blase aus Wahrnehmung existiere, die auf dem gigantischen Meer der Realität treibt?‘
Und siehe da, aus dem elektromagnetischen Spektrum, das von Größernordnungen im Kilometerbereich zu denen im Bereich um 10-12 Meter3 reicht, kann das menschliche Auge nur einen knapp 350 Nanometer ‚breiten‘ Bereich wahrnehmen. Dazu kommt der Teil der Infrarotstrahlung, den wir als Wärme spüren können, aber auch der macht den Braten nicht wirklich fett. Das Spektrum der Druckwellen reicht vom (fast) nicht vorhandenen Druck in einem ‚absoluten‘ Vakuum4 zu dem praktisch unendlichen Druck innerhalb eines Schwarzen Lochs und Frequenzen von einer Planck-Zeit bis hin zu Zeiträumen, die (möglicherweise5) die Lebensdauer unseres Universums um mehrere Größenordnungen überschreiten. Hören können wir Frequenzen von ~0,02 Kilohertz6 bis ~20 Kilohertz, ab einem Schalldruck von ca 2×10-5 Pascal (0 Dezibel). Bei einem Druck zwischen 20 und 200 Pascal wird es für den Durschnittsmenschen schmerzhaft und bleibende Schäden können auftreten. Drücke im Rahmen von Festkörperinteraktionen (Mensch vs. Fahrzeug z.B.) schlag ich jetzt nicht nach, aber auch da gibt es nur einen begrenzten Bereich, in dem wir wahrnehmen können, ohne dass dabei etwas kaputtgeht.
Über diese Abzweigung gelange ich an den Ort ‚Die Welt ist unglaublich groß und ich bin unglaublich klein. Ich kann mich nicht auf meine Wahrnehmung verlassen und sollte nicht allzuviel auf sie geben. Außerdem akzeptiere ich die Wahrnehmungen anderer Menschen als ebenso valide wie die meine, ohne dabei allerdings ihre Nähe zur objektiven Realität außer Acht zu lassen.‘

Sartre hingegen nimmt die Abzweigung, die beschildert ist als ‚Oh my fucking god!!!!! Was soll ich nur tun, wenn die Struktur der Welt nicht die der Sprache ist??? Alles könnte auf einmal aufhören, so zu tun, als wäre es sprachlich strukturiert!! Was, wenn mir ein drittes Auge wächst, oder sich der Asphaltweg in eine gigantische Boa Constrictor verwandelt, auf der zwei Elefanten mit Sonnenbrillen reiten, die laut in einer unverständlichen, bizarren, seelenvernichtenden Sprache singen, deren blanker Terror mir den Verstand zersetzt!?!‘
Sein Weg führt ihn zu einem kleinen, zerfallenen Hüttchen, in dem H.P. Lovecraft haust. Er klopft an, aber Lovecraft lässt ihn nicht rein, weil er Sartre nicht persönlich kennt und ihm sein Auge unheimlich ist und alles Fremde gefährlich ist und such dir dein eigenes Haus, aber weit weg, los verschwinde!
Weinend geht Sartre weg. Er fühlt sich einsam. Er hat Angst. Aber was soll er tun? Er wartet auf die Apokalypse.

Sartres Problem ist, dass er zwar erkennt, dass die Struktur der Welt nicht die Struktur der Sprache ist, dass er aber denkt, Sprache wäre die einzige mögliche Struktur, und ohne Sprachstruktur gibt es überhaupt keine.
Das ist schlecht durchdacht, anthropozentrisch und ein Argument from Ignorance. Nur weil Sartre außer der Struktur der Sprache spontan keine andere mögliche Struktur einfällt, hat die Realität eben überhaupt keine. (Nietzsche dachte, weil ihm außer Gott keine andere Quelle für Moral und Sinn einfällt, gibt es beides nicht.)

Fassen wir nochmal zusammen (wer mal Pipi muss, möge bitte jetzt gehen, damit wir dann auch pünktlich weitermachen können :D):
Wir nehmen die Welt mit unserem Gehirn wahr. Das Hirn hat die Angewohnheit, bestimmte Muster in den hereinkommenden Daten zu erkennen und diesen einen Sinn zuzuweisen. Dies ist nötig, damit wir im Alltag funktionieren können. Die Art, wie das Hirn arbeitet, äußert sich in der Sprache und ihren Strukturen.

Jetzt kommen wir langsam zur Kunst zurück, und zwar über Geschichten und natürlich die Zwölftonmusik. Alle wieder da? Sehr gut.

Immer noch Sartre, aber nur für einen Satz, weil Sartre zu dem letztendlichen Schluss kommt, dass wir Menschen der Akt der Entscheidung über unser Selbst sind – aber das ist auch schon wieder am Rande des beknackten und ich habe gerade keine Lust, das zu erklären.
Also hier ein Satz Sartre: Menschen sind Geschichtenerzähler.
Und wir sind die Geschichten, die wir uns über uns selbst erzählen (Was das bedeutet, könnt ihr in meinem Artikel Unsere zwei Selbste drüben auf UniverseGoesWhoah durchlesen; ist nicht lang :) ).

So wie die Sprache auf dem Level von Sätzen und Paragraphen eine Struktur hat, hat sie auch auf dem von Kapiteln und Kapitelverbänden eine Struktur. Wenn wir erzählen, orientieren wir uns an diesen Strukturen. Nicht nur in dem Sinne, dass wir Konzepte wie Weil-X-deshalb-Y verwenden, sondern auch weil wir bestimmte Erwartungen haben, wie der sachliche Inhalt dieser Weil-X-deshalb-Y beschaffen sein soll, was die psychologischen X für welche psychologischen Y sind und (z.B.) welches Aussehen Y eine Person mit Weltbild X hat.
Diese Muster bilden wir ab, wenn wir Geschichten erzählen. Deshalb treffen wir immer wieder auf das selbe Schema F: Helden sind Helden, Bösewichte sind Bösewichte, beide haben eine Motivation und ein Ziel, die Motivationen und Ziele sind unvereinbar, Konflikte entstehen.
Manche Elemente sind essenziell für eine Geschichte. Ohne einen Gegenstand, über den erzählt wird, gibt es keine Geschichte. Und ohne Motive, Ziele und Konflikte geschieht nichts, was man über den Gegenstand – über die Beschreibung eines momentanen Zustands hinaus – erzählen könnte. Aber diese wenigen Strukturen bieten sehr viel Raum für freie Entfaltung. Wir müssen nur in der Lage sein, die Strukturen zu erkennen, die wir über das Nötige hinaus in diese Räume hineingebaut haben, und diese unnötigen Strukturen zu hinterfragen, aufzubrechen, zu eliminieren, damit zu spielen.

Hier kommt die Zwölftonmusik:
Denkstrukturen zu brechen, ist schwer. Es gibt aber Möglichkeiten, die Sache etwas zu vereinfachen:
1. Indem man sich willkürliche Regeln setzt, die mit diesen Denkstrukturen nicht vereinbar sind und uns zwingen, andere Wege zu gehen. Ein Regelwerk in Sachen Geräusche ist die Zwölftonmusik, aber es gab historisch mehrere Gruppen von Leuten, die in verschiedenen kreativen Bereichen mit solchen Regelwerken herumgemacht haben.
2. Indem man die unnötigen Strukturen erst analysiert, dann dekonstruiert und schließlich ihres Sinngehaltes entkleidet. Ein Beispiel dafür ist Dada, ein anderes die Arbeiten von John Cage.

Es gibt ein Buch, ‚Gadsby‘ von E.V. Wright, das ohne das E, den häufigsten Buchstaben der englischen (und deutschen) Sprache, auskommt.

Was ist also Kunst?
Das Spielen mit den Strukturen, die unser Hirn in der Welt sucht?
Ist Kunst eine Form der Philosophie?

Fin.

Hier das Video der großartigen Vi Hart, das mich dazu angeregt hat, diesen Artikel endlich mal in Angriff zu nehmen:

—————————————————————————
1 Es gibt tausende verschiedener Tests, die teils vollkommen verschiedene Dinge messen, aber alle ‚Intelligenztest‘ genannt werden. Im Kontrast dazu misst jede Waage das gleiche, auch unabhängig von der Skalenaufteilung und Benennung der Maßeinheiten, weil Masse und Gravitation in einer anderen, ‚realeren‘ Weise existieren und in einem festen, mathematisch beschreibbaren Verhältnis zueinander stehen.
2 Er trägt seine Unterhose auf dem Kopf.
3 10-12 Meter -> 0, 000 000 000 001 Meter.
4 Virtuelle Teilchen und Vakkumenergie, yeah!
5 Unsere Raumzeit entstand erst mit dem Universum und wir wissen noch nicht, ob es ‚davor‘ schon Zeit gab oder nicht.
6 1 Kilohertz bedeutet 1.000 Zyklen pro Sekunde.

Related Post