Leon und Leonie

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Kühles, saftiggrünes Gras breitet sich sonnenfleckig unter dem Blattwerk der jungen Birken. Die weißen Stämme reflektieren das Licht und blenden Leonie beinahe, während sie fröhlich summend auf der Spur ihres Bruders entlang schlendert. Hin und wieder hat er sich an einem Baum abgestützt, um Atem zu schöpfen. Auch das kann sie sehen.
„Warte nur, Leon, ich kriege dich schon!“, ruft sie leise und bringt mit ihrem glockenhellen Lachen die Luft zum Tanzen. Ja, er ist Leon und sie ist Leonie.Sie wirft ihre blonden Kinderlocken zurück und lacht noch einmal bei dem Gedanken daran, welchen Spaß sie haben werden, wenn sie endlich bei ihm ist.
Leon, Leon, der ihr so ähnlich sieht. Leon, den sie so liebt.
Die Grashalme kitzeln ihre nackten Fußsohlen und die Sonne streichelt ihre Haut wie eine Mutter.
Es war lustig, wie die Kinder getanzt haben, vorhin, nachdem Leonie ihrem Bruder schon einmal so lange nachgelaufen war. Sie kann sich nicht erklären, wie er ihr wieder hatte entwischen können. Doch dieses Nachlaufen gefällt ihr ebenso wie der Reigen.
„Leon, gleich hab ich dich und dann tanzen wir wieder!“ Leonies Stimme überschlägt sich beinahe vor lauter Vorfreude. „Ich werde dir die Haare zerzausen beim Tanz, Leon! Und wir werden singen! So laut und so schön, wie noch nie zuvor!“
Ihre roten Kinderlippen teilen sich und geben den Blick auf strahlend weiße Milchzähne frei, als sie Leon endlich in der Ferne vor sich sieht. Er läuft nur noch langsam. Vielleicht will er lieber etwas anderes spielen?
„Leon, da bist du ja!“ Sie lacht. „Oh, ich habe dich erwischt! Komm, jetzt lass uns tanzen!“
Der goldlockige Junge bleibt schwer atmend stehen, dann dreht er sich um und starrt auf das blutbefleckte, sonnenfarbene Kleid des Mädchens, das jetzt mit einem Lächeln dieses unmenschlich große Messer gegen ihn erhebt. Kleine Grashalme bleiben in dem Blut an ihren Fußsohlen kleben, als sie einen Schritt auf ihn zu macht.
„Warum bist du denn schon wieder weggelaufen?“, fragt sie schmollend. „Wir wollten doch tanzen! Komm!“
Leon stöhnt auf, als die Klinge seine abwehrend erhobenen Arme zerschneidet.
„Tanz mit mir, Leon, tanz mit deiner Leonie!“, singt das Mädchen und lacht, während sie leicht wie ein Blütenblatt im Wind um den Jungen herumhüpft und auf ihn einsticht. „Oh, Leon, mein Leon, sing doch mit! Tanz mit mir, Leon!“
Der Junge schreit auf und Zufriedenheit erhellt Leonies bildhübschen Züge unter dem Netz aus Blutsprenkeln.
„Leon, mein Leon…“, summt sie leise, als er schließlich liegen bleibt. Die ewige Sonne bescheint ihre elfenhafte Gestalt mit dem ewigen Licht eines ewigen Frühlings, als Leonie ein Gänseblümchen aus der Tasche ihres Kleides zieht und es mitten auf die Stirn ihres Bruders legt.
„Ach, Leon.“, jubelt sie und küsst seine bleiche Wange. „Ich freue mich schon so darauf dich wiederzusehen! Im Osten hole ich dich ab, so wie immer und immer und immer! Dann Tanzen wir wieder. Aber diesmal läufst du nicht weg, versprichst du es?“ Sie lacht noch einmal, dann hüpft sie den Weg zurück, den sie gekommen ist, während Mutter Sonne ihr das Blut aus dem Haar leckt.

  • schrecklich

    • tine

      Jo.