Eifersucht

 
    FSK 16

Als sie den Schlüssel in der Tür hört, steht sie leise auf und geht zur Treppe.
Von oben beobachtet sie, wie er seinen Mantel an die Garderobe hängt und sich bückt, um seine Schuhe auszuziehen.
Er bemerkt sie, als er sich wieder aufrichtet. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. “Hallo, Schatz! Warum bist du denn noch wach?”
“Ich habe auf dich gewartet.”, antwortet sie kalt.
“Aber ich hatte dir doch gesagt, dass es heute wieder später wird.” Gähnend steigt die Treppe hinauf und will sie küssen, doch sie entzieht sich ihm und stapft ins Schlafzimmer. Er schaut ihr einen Moment lang nach, ehe er sich ebenfalls in Bewegung setzt. “Was ist denn los?”
“Was ist denn los?!” äfft sie ihn erbost nach. “Also ob du das nicht genau wüsstest.”
“Ach, du denkst schon wieder, ich würde dich betrügen? Wer soll es diesmal sein? Meine Sekretärin? Das Mädel aus der Eisdiele? Oder zur Abwechslung mal mein Chef?”
“Mach dich nicht über mich lustig!”
“Hör zu, ich habe keine Lust, wieder diese Diskussion zu führen. Ich bin müde.”
Mit vor der Brust gekreuzten Armen lässt sie sich aufs Bett fallen. “Zu müde für unsere Ehe.”
“Zu müde, um mich damit auseinanderzusetzen, dass es dein Hobby zu sein scheint, mir Sex mit allen möglichen Leuten zu unterstellen. Also, wer soll es diesmal sein? Mein Chef?”
“Mach dich nicht über mich lustig!”
“Du kannst im Betrieb anrufen, wenn du mir nicht glaubst. Die Nummer ist im Telefon gespeichert. Frag meine Sekretärin, frag Hannes, frag meinen Chef! Sie werden dir bestätigen, dass ich bis vor einer Stunde auf einer Konferenz war.” Flehend sieht er sie an, doch ihre Miene bleibt düster.
“In einer Stunde kann man sehr viel Sex haben. Und ihr bei euch im Betrieb steckt doch alle unter einer Decke! Diese ganzen Schlampen, die da rumlaufen, um uns Hausfrauen die Männer abspenstig zu machen!”
“Hätte ich dich geheiratet, wenn ich etwas für Schlampen übrig hätte?”, schmeichelt er ungeduldig.
“Ich sagte, du sollst dich nicht über mich lustig machen! Ich weiß genau, dass diese Weiber alle hinter dir her sind. Du siehst gut aus.”
“Oh, danke.”
“Lenk gefälligst nicht vom Thema ab!” Sie steht auf und beginnt, sich auszuziehen, wobei sie jedes Kleidungsstück mit Nachdruck zu Boden pfeffert.
“Die wollen dich mir wegnehmen! Diese miesen Flittchen! Und du bist doch auch total scharf auf diese großbusigen billigen Schlampen!”
“Du machst dich lächerlich.” Kopfschüttelnd sieht er zu ihr hinüber, ehe er sich auf die Bettkante fallen lässt. “Warum zur Hölle sollte ich mit dir unzufrieden sein, mal abgesehen von der Tatsache, dass mir deine ständigen Unterstellungen langsam auf die Nerven gehen?”
“So, ich gehe dir also auf die Nerven, ja? Dann fick doch deine Sekretärin, wenn es dir Spaß macht!”
“Ich habe nie mit meiner Sekretärin geschlafen, und ich werde auch nicht damit anfangen. Willst du dich denn bis in alle Ewigkeit an diesem einen Abend aufhängen?”
“Ja! Hat es sich wenigstens gelohnt?”
Er schmeißt seine Socken in die Ecke, ehe er sich daran macht, sein Hemd aufzuknöpfen. “Das hat es allerdings. Wir haben gut gegessen und uns dabei sehr nett unterhalten – über die Tagung und unsere jeweiligen Kinder.”
“Ihr hab sicher auch im Bett prächtig harmoniert.”, vermutet sie mit ätzendem Tonfall.
“Jeder außereheliche Verkehr, den ich jemals hatte, fand vor unserer Trauung statt.”
“Und das soll ich dir abkaufen?” Wütend zerrt sie ein Nachthemd aus dem Kleiderschrank und zieht es sich über. “Ich soll dir allen Ernstes glauben, dass du mich nicht betrügst? Ich soll deinen Worten mehr glauben, als den Lippenstiftflecken an deinem Kragen? Und diesem widerlichen Parfum an deinen Händen?”
“Der Lippenstift, auf den du dich beziehst, stammte von unserer gemeinsamen Tochter, die mich ärgern wollte! Und wenn ich auf dem Betriebsessen einer Frau vorgestellt werde, kann ich schlecht einen Händedruck ablehnen, nur damit meine krankhaft eifersüchtige Ehefrau nicht sauer wird!” Er befreit sich aus seiner Hose, dann steigt er in seinen Pyjama und macht sich auf den Weg ins Bad.
“Ach hör doch auf mich zu verarschen!”, zischt sie, ihm folgend.
Schweigend, das Spiegelbild des jeweils anderen mit dem Blick meidend, putzen sie ihre Zähne.
“Ich habe dein Gezetere satt.” Er spuckt aus, spült seine Zahnbürste ab und verlässt das Bad wieder.
“Und ich deine Lügen!” Mit gerunzelter Stirn wartet sie, bis er sich auf seiner Seite des Bettes eingerichtet hat, dann schlägt sie auf den Lichtschalter. “Ich hasse dich.”, murmelt sie in der folgenden Dunkelheit. “Ich hasse dich mehr als sonst etwas auf der Welt, du promiskuitives Arschloch.” Damit kriecht sie von seinen Füßen her unter sein Plumeau, um seinen Körper mit Küssen und zärtlichen Bissen zu traktieren, bis er sie keuchend von sich stößt und sich auf sie rollt.
“Du verrückte alte Schachtel.”
Sie kichert. “Nicht reden, vögeln.” Ihre Finger tasten nach seinem Mund. “Fick mich, du promiskuitives Arschloch.”
“Und dafür habe ich es eine Stunde im kalten Auto ausgehalten… “