Kuwe-Änderungen 00.0: Vorgeplänkel

/ September 30, 2011/ Das Prinzip der Schönheit, Meine Schreibe und ich/ 0Kommentare

Ich dachte mir, erzähle ich mal ein bisschen darüber, was ich so an ‚Das Kunstwerk‚ ändern will, bzw. schon geändert habe, und warum.
Denn die Änderungen sind recht umfangreich: Ich bin derzeit noch nichtmal bei der Hälfte der neuen Handlung angekommen, aber die aktuell letzte bearbeitete Szene ist auf der gleichen Seite, auf der in der Ur-Version der Epilog angefangen hat.

Warum ändert jemand so extrem viel und fügt so viel zu einer eigentlich ‚fertigen‘ Geschichte hinzu?

Naja, als ich angefangen habe, Kuwe zu schreiben, war ich 17. Kuwe ist mein erstes Großprojekt und gleichzeitig auch mein erstes ernsthaftes Schreibprojekt. Ich habe mit Kuwe sozusagen das Schreiben gelernt und bin in dieser Geschichte durch eine ganze Menge Anfängerfehler durch (beiweitem nicht durch alle).

Außerdem war ich, wie gesagt, gerade 17 als ich angefangen habe (19 als ich ‚fertig‘ war). In dem Alter denkt man zwar – gilt nicht nur für mich sondern auch für Ela (Hey Ela *zwinker* ) – dass man genug weiß und versteht, um auch schwierige Charaktere zu schreiben, in Situationen, die man selbst noch nie erlebt hat. Dass das nicht stimmt, sieht man meistens erst später ein, wenn man an der einen oder anderen Stelle Erfahrungen sammelt, über die man mal geschrieben hat, und dann selbst erlebt: „Huch, da passiert ja haufenweise emotionales und kognitives Zeug, das ich gar nicht berücksichtigt habe.“
Ich denke, man wird mit wachsender Schreiberfahrung besser darin, sich unbekannte Lebensumstände sozusagen ‚anzuziehen‘ und aus ihrer Haltung heraus einen Charakter zu schreiben, aber meine bisherige Erfahrung ist, dass es anstrengend und zeitraubend ist, sich im Nachhinein (also wenn man den Charakter nur überarbeitet) eine Natürlichkeit in dieser Haltung zu erarbeiten. In meiner Vorgehensweise bei neuen Projekten lege ich deshalb großen Wert darauf, mir Erfahrungsberichte von Menschen anzuhören, die in dieser mir unbekannten Lebenssituation unterwegs sind und darüber so eine Art Gefühl dafür zu entwickeln, wie es sich in dieser Situation so ‚erlebt‘. Ich werde darüber sicher noch mehr erzählen, wenn ich was zu Charakterentwicklung allgemein sage.

Ein weiterer Grund für die vielen Änderungen ist die zusätzliche Erfahrung, die ich im Entwickeln von Storylines und Charakteren gesammelt habe, während ich mit Corinna an unseren gemeinsamen Geschichten (Félicie, Ozeane der Zeit und Die Bestie von Quevillon) gearbeitet habe. Es war echt eine sehr anspruchsvolle Übung, einen meiner Charaktere beim Überarbeiten in einer Dispo stark umzugestalten, in dem darauf folgenden Gespräch mit einem von Corinnas Charakteren aber eigentlich nur meinen Part ändern zu können, da wir nicht ein komplettes Gespräch erneut führen wollten und ich jede Änderung an Corinnas Charakter mit ihr hätte absprechen müssen.
Diese Übung hat mit sehr dabei geholfen, zu verstehen, wieviel Bedeutung einzelne Adjektive, Formulierungen usw. tragen können, und wieviel man mit subtilsten Mitteln erreichen kann. Das war wirklich sehr erhellend.
(Hm… vielleicht sollte ich eine entsprechende Übung in die Schreibtipps tun…?)

Ein vierter Grund ist, dass es eine ganze Zeit gedauert hat, bis ich mich als Autorin wieder so weit von der Geschichte distanziert hatte, dass ich sie halbwegs von außen betrachten konnte. Damit meine ich jetzt nicht Kritikfähigkeit, sondern dass ich den Tunnelblick auf die Folge von Ereignissen, Szenen usw. losgeworden bin. Man gewöhnt sich irgendwie daran, dass dieses auf jenes folgt und hinterfragt nicht mehr ausreichend, ob das auch wirklich Sinn ergibt, oder ob da etwas fehlt. Das wird so ein heimlicher Regelkatalog, von Dingen, die einfach so sind.
Ehe man weiß, dass das passiert, und in welchem krassen Umfang sowas passieren kann, kann man sich natürlich nicht bewusst damit auseinandersetzen. Ich hoffe jetzt, dass ich für meine weiteren Großprojekte gewappnet bin und keine Szenen, Reihenfolgen oder sonstwas heiligspreche und nicht mehr antaste. Ich habe auf jeden Fall Übung im Ändern bekommen. Früher tat es mir fast schon körperlich weh, eine Szene, die ich mochte, kicken oder stark ändern zu müssen; mittlerweile bin ich ehe übereifrig mit dem delete button und muss mich bremsen.

Zu den konkreten Sachen, die ich am Kuwe bereits geändert habe oder noch ändern werde, kommen demnächst ein paar Artikel.

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