Kuwe-Änderungen 02.1: Kürzen, kürzen, kürzen

/ November 29, 2011/ Das Prinzip der Schönheit, Meine Schreibe und ich/ 0Kommentare

Ist ja angeblich eine Tugend in gewissen Situationen.

Seien wir mal pedantisch. Welchen Mist hab ich bei der Überarbeitung von gestern Abend verzapft?
1. Ich hab die Änderung einfach so reingeflatscht, anstatt sie einzuweben; vielleicht nur ne Vorliebe meinerseits, keine Ahnung, aber ich hab das Gefühl, Änderungen wirken ab einem bestimmten Umfang wie Fremdkörper, sofern sie nicht wenigstens an einem Ende in bestehende Sätze hineinsickern.
2. Die Dispo schlängelt sich durch die Gegend; erst ist er voll analytisch, dann denkt er sich ‚Ach, glotzen wir ein bisschen genüsslich, ehe wir uns entscheiden, wir hams ja nicht eilig‘. Wat? Seit wann ist der Mann entspannt?
3. Doppelte Beschreibung. Ich hab nicht eine komplette Beschreibung von Joanna ersatzlos gestrichen, um jetzt eine neue überflüssige rein zu verschlimmbessern.

Das Ausmisten:
1. + 3. behebe ich, indem ich die ‚Beschreibung‘ als Teil der Vorbereitung anbringe.
2. behebe ich, indem ich ihn tapfer sein analytisches Mindset verteidigen lasse, bis er auf Spuren von Joannas so reizvoll harmlos erscheinender Persönlichkeit stößt. Achilles, tut dir die Ferse weh? Muaha.

Das Ergebnis:
Gewissenhaft macht er sich jedes einzelne, noch so winzige Detail *ihres* Gesichtes bewusst; all die Winkel, Radien und Kurvenverläufe, die die subtil gekrümmten Flächen zusammenhalten. Dann wendet er sich erneut der Lichtung zu. Und kaum hat sich die Frau in seine Richtung gedreht, mustert er sie so eindringlich, als wollte er bis auf ihre Knochen sehen.
Zurückhaltung, Analyse, Vergleich, eine Abstraktion als Schutzwall zwischen ihm und dem Gefühl der Erkenntnis, das sich schon nach kürzester Latenz einstellen will. Er hält sich tapfer – ist der Schwung ihrer Unterlippe mimisch verzogen, oder ist er tatsächlich zu wenig ausgeprägt? – doch als seine Betrachtung ihre Augen erreicht und er darin den sanften und doch so lebhaften Ausdruck findet, den sie auf dem Papier über die Jahre entwickelt haben, schlägt die Erkenntnis ein. Alles stimmt, alles ist da, *sie* ist da, steht direkt vor ihm, ganz real, in Fleisch und Blut.

Aus 197 Worten werden 149. Fast genau ein Viertel weniger.
Mal gucken, ob ich noch irgendwas dagegen tun kann, dass das Wort ‚Erkenntnis‘ zweimal so dicht hintereinander auftaucht, ob mir was besseres als ‚Latenz‘ einfällt, und ob ich den vorletzten Satz irgendwie aufteilen kann. Aber ansonsten erkläre ich diesen Pickel jetzt für aus dem Antlitz meiner Geschichte herausgequetscht.

EDIT:
1. Gefühl der Gewissheit
2. binnen Sekunden
3. nope

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