Der Maler

In Wirklichkeit Julian Richings mit entschieden zu viel Nase und Farbe in den Haaren.

In Wirklichkeit Julian Richings mit entschieden zu viel Nase und Farbe in den Haaren.

Der Maler, aka Der Bildhauer, aka Ludwig Janvier, aka Louis wird am 10.11. eines nicht näher bestimmten Jahres in Rouen, Frankreich, geboren, als Zwillingsbruder von Irène-Sylvie Debus.
Die Umstände seiner Geburt und seine angeborene Entstellung führen dazu, dass seine Mutter – Marguerite Debus – ihn in ihrem Haus zurücklässt und nie wieder dorthin zurückkehrt. Er wird von zwei Mädchen – Adèle und Cécile, beide um die fünfzehn – aufgezogen, die seine Mutter zu diesem Zweck anstellt. Seinen Namen gibt er sich selbst; die Mädchen nennen ihn ‚Lochfresse‘ oder ‚kleines Arschloch‘ oder ‚widerliche kleine Missgeburt‘ oder — ihr erkennt das Muster.
Im Alter von zehn Jahren haut er ausversehen von zuhause ab. Er nutzt seine Freiheit, um seiner regelrecht zwanghaften künstlerischen Hochbegabung nachzugeben, und zwar in einer Weise, die ein Stück weit die Umstände seiner Ups-was-war-jetzt-das-Flucht nachstellen. Wirklich nur ein Stück weit. Aber es reicht, damit es weh tut.
Nach einigen Reibereien mit einem wachsenden Team von Sonderermittlern – Louis versteht das zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber das, was er wieder und wieder tut, um an sein wichtigstes Material heranzukommen, ist eine der schwerwiegendsten Straftaten überhaupt – verlässt er Frankreich in Richtung Indien.
Dort – wie sollte es anders sein – erlebt er viele Abenteuer, von denen aber nur eines erzählenswert ist. Der Titel ist ein Frauenname: Anjali.
Anjali lässt nicht zu, dass er sich umbringt, aber sie kann nicht verhindern, dass er nach seinem gescheiterten Versuch schwer krank wird und das Gerücht, sie hätte was mit ihm, durch ihre Rolle als Louis‘ Krankenpflegerin endgültig zur ‚Wahrheit‘ mutiert. Ihr Bruder Devdan rottet sich mit Anjalis verhinderten Möchtegern-Liebhabern zusammen, um die Missgeburt aus dem Lager der Schausteller hinaus ins nächste Leben zu prügeln. Und wieder rettet Anjali ihn, mit vollen Körpereinsatz; aber nicht so wie ihr jetzt denkt.
Fiebrig, halb irr vor Schmerzen und dem Tode deutlich näher als dem Leben hat Louis einen langen, zerstückelten, wiederkehrenden Traum, den er schließlich als Botschaft des Schicksals zu erkennen glaubt. Sonderlich begeistert ist er nicht davon, aber er fügt sich und kehrt – annähernd gesundet – zurück nach Frankreich, um mit Hilfe seiner Jugendfreundin Sérafine zu tun, was er tun zu müssen glaubt, damit er endlich sterben darf.