Sérafine

 

In Wirklichkeit Emilíana Torrini

In Wirklichkeit die viel zu junge Emilíana Torrini

Sérafine Janvier ist die beste – einzige – Freundin des Malers, sein Fußabtreter, seine Lebensretterin. Sie kennt ihn von Kindheit an, ist in ihn verliebt, seit sie alt genug ist, sich zu verlieben, und macht immer wieder systematisch ihr eigenes Leben kaputt, um den besser-als-nichts Status quo der Beziehung zu ihm aufrecht erhalten zu können.
Joannas Auftauchen und der Umstand, dass sich der Maler in sie verliebt, macht ihre gewohnte Welt dem Erdboden gleich. Sie rastet auf die ihr eigene Art aus – trägt es äußerlich mit Fassung und säuft sich eins – und macht sich dann daran, aus den Trümmern etwas aufzubauen, das einer Bleibe so ähnlich ist, dass sie es darin aushalten kann, bis die Welt mit Joannas Abschied endgültig untergeht.
Eher unabsichtlich stößt sie darauf, dass es auch ein Leben ohne den Maler geben kann; also, nicht wirklich ohne den Maler, aber eins, das nicht ausschließlich um ihn kreist. Eins, in dem sie sich auch mal für ihre eigenen Bedürfnisse interessiert, anstatt immer nur bemutternd und überbehütend dafür Sorge zu tragen, dass sich ihr Freund nichts antut – und dass sein Kühlschrank nicht leer wird.
Zum ersten mal wendet sie sich an einen anderen Menschen, und zwar nicht nur im Rahmen der Suche nach einem Trostpflaster, sondern tatsächlich, authentisch, emotional intim. Doch die Unsicherheit, wie es mit dem Maler weitergehen kann, wenn sich die Epoche ‘Joanna’ dem Ende geneigt hat, hängt als Damoklesschwert über all ihren zögerlichen Versuchen, sich ein ‘eigenes’ Leben auch nur auszumalen.