Schriftstellerin werden Teil 3: Die ersten 14 Tage

/ Oktober 3, 2013/ InspirationsHandwerk, Schreibtips/ 0Kommentare

brande3(Der Rest der Serie: Teil 0, Teil 1, Teil 2, Teil 3)

Am 15.09. habe ich mit dem Projekt ‚Ich bin jetzt Schriftstellerin‘ angefangen, d.h. einen ersten Bericht könnt ich langsam mal abgeben.

Um diesen Post zu strukturieren, fang ich mal mit den Sachen an, die überhaupt nicht funktionieren. Danach kommen die, die so teils-teils funktionieren, und zum Schluss alles, was super läuft.
Zuguterletzt kommen noch ein paar sonstige Sachen.

Was überhaupt nicht funktioniert: Feste Uhrzeiten.
Aber mal sowas von nicht. Das fängt schon damit an, dass meine Schlafstörung alle paar Tage für ein paar Tage kuscheln kommt und sich durch nichts abschrecken lässt, weshalb ich dann meinen Wecker meistens mehr als Frage, denn als Aufforderung verstehe.
Mein morgendliches Hirn-rumhängen-lass-Programm ist auch nicht gerade einheitlich, was den Zeitaufwand angeht, und obwohl ich noch vor zwei Wochen ein Naturtalent in Sachen ‚einfach mittendrin aufhören‘ war, geht es mir jetzt mächtig auf den Sack, etwas nicht zuende zu bringen.
Meine Lösung ist, auf Uhrzeiten zu scheißen und mich stattdessen an eine feste Reihenfolge zu halten:
Morgenschrieb -> Aufstehen -> Rumräumen -> Frühstück -> Schreiben -> Abendessen -> Schreiben -> Schlafen.
Das hat bis jetzt noch jeden Tag funktioniert.

Was auch noch überhaupt nicht funktioniert: Spaziergänge
Weil. Einfach… weil.
Ich spaziere beim Putzen durch die Wohnung, das reicht.
Don’t judge me.

Was so teils-teils funktioniert: Morgenschriebe.
Die ersten zehn Tage oder so hab ich brav jeden Morgen vor dem Aufstehen geschrieben. Erst eine längere Geschichte, dann ein paar lose Gedanken, dann ein paar Skizzen für Szenen, das hat auch super geklappt.
Nein, nicht super. Grandiösest. Denn die Morgenschriebe haben für mich bewiesen, was die Hauptthese von Brandes Buch ist:
Man kann sich tatsächlich einfach hinsetzen und schreiben. Keine vorauseilende Inspiration notwendig, Bleistiftelfen überflüssig, Sternenkonstellationen egal, Tieropfer für die Geister der Kreativität reine Formsache.
Man muss wirklich nur aufhören, jeden Satz ‚richtig‘ schreiben, alles auf Anhieb logisch machen und wissen zu wollen, wo die Idee denn nun hinführen wird.
Diese Herangehensweise – die übrigens mit ‚Entdeckendes Schreiben‘ oder ‚Discovery Writing‘ auch einen Fachterminus hat – mit der für Großprojekte nötigen Planung – zu Denglisch das ‚Outlining‘ – zu verbinden, ist auch kein Problem. Die Planung erstelle ich nämlich auch ‚entdeckend‘. Anscheinend jedenfalls. Hat mich überrascht, aber irgendwie auch nicht. Ich versuche ja schon immer, ‚mit der Geschichte‘ und nicht ‚gegen die Geschichte‘ zu arbeiten.

Eine weitere gute Sache rund um Morgeschriebe ist, dass es mich motiviert und entspannt, den Tag über zu wissen, dass ich schon ne halbe Stunde bis Stunde Arbeit in der Tasche habe.

Aber auf Dauer geht mir einfach zuviel im Kopf rum. Ja, auch früh morgens schon. Ich kann noch im Halbschlaf darüber grübeln, was mein Unbewusstes denn jetzt schreiben will.
Als Gegenmaßnahme überlege ich, mir abends eine klare Aufgabe für den nächsten Morgenschrieb zurechtzulegen und mich dann auch daran zu halten. Das ist ein Gedanke, mit dem ich ganz zu Anfang auch gespielt habe – meinen Stapel an Ideen für Kurzgeschichten in Morgenschrieben umzusetzen – und ich hoffe mal, dass es funktioniert, denn alles in allem sind Morgenschriebe für mich eine großartige Einrichtung.

Was super läuft: Meine Wohnung ist sauber.
Komisch aber wahr, seit ich offiziell Schriftstellerin bin, hab ich so viel geputzt und geräumt und getan wie sonst in einem Jahr nicht. Irgendwie macht es Hausarbeit ungemein attraktiv für mich, sie als Teil meiner schriftstellerischen Arbeit zu sehen.

Was auch noch super läuft: Ich bilde mich weiter.
Bücher übers Schreiben waren nie so mein Ding, aber in Zuge meines Schriftstellerin-seins habe ich mir einen Haufen Podcasts von Autor_innen für Autor_innen abonniert und auch schon einige Stunden Lebenszeit mit Hören zugebracht.
Bis jetzt habe ich nicht wirklich viel neues gelernt, aber es ist auch ganz nett zu sehen, dass ich haufenweise Tricks und Kniffe bereits verwende, ohne mir bewusst gewesen zu sein, dass das Tricks und Kniffe sind.
Ich überlege jetzt, ob ich nicht vielleicht den einen oder anderen Artikel über meine just realisierte Trickkiste schreiben soll. Da gibts zwar schon dutzende zu, aber ich hab mal gehört, dass unterschiedliche Leute auf unterschiedliche Erklärweisen unterschiedlich gut reagieren. Mal gucken.

Was außerdem super läuft: Ich bin voll so Serious Business.
Like a Boss.
Seit ich mich von der Vorstellung verabschiedet habe, dass Inspiration und Flow so magische Momente unwahrscheinlicher Koinzidenz sind, bin ich beim Schreiben viel pro-aktiver unterwegs.
Das heißt:
Ich lasse mich nicht mehr davon abschrecken, wenn ich erstmal nur mit leerem Blick vor mich hin starre und keine Ahnung hab, wie ich jetzt mit dieser Szene weitermachen soll.
Meine bisherige ‚Taktik‘ in solchen Fällen war, aufzugeben und darauf zu hoffen, dass sich schon irgendwann von alleine irgendwie wieder ein kreativer Fluss einstellen wird. Und erst wenn das lange genug nicht passiert ist, habe ich mich dazu herabgelassen, das Problem systematisch anzugehen (also mit Diagrammen, Pro/Contra-Listen und sonstigen Visualisierungstechniken).
Meine Taktik ohne Anführungszeichen ist, mich erst von der Tastatur an den Kugelschreiber zu begeben – ich kann meistens besser kreativ denken, wenn ich von Hand schreibe – und wenn das auch nicht funktioniert, sofort zur Visualisierung überzugehen.
Das Ergebnis ist, dass ich jetzt nur drei Tage über einer Szene gebrütet und sie in dieser Zeit auch fertiggestellt habe, anstatt wie üblich rumzuwarten und mich schlecht zu fühlen.

Sonstige Sachen.
Ich hab eine Liste von hilfreichen/hinderlichen Dingen gemacht, so wie Tante Brande es gesagt hat ö.ö
Das war zuerst etwas unproduktiv, weil mir einfach keine hilfreichen Sachen eingefallen sind, aber dann habe ich festgestellt, dass Maßnahmen gegen hinderliche Sachen hilfreich sind und Bingo.
Hier das Ergebnis.
Hilfreiche Sachen:

  • Ordentlich frühstücken.
    Denn wenn ich Hunger hab, kann ich nicht denken.
  • Timer auf 30min einstellen und was trinken wenn er klingelt.
    Denn ich krieg Kopfschmerzen, wenn ich zu wenig trinke.
  • Regelmäßig meinen Arbeitsort wechseln.
    Denn ich krieg Rückenschmerzen, wenn ich mich zu lange in der gleichen Sitzkonfiguration aufhalte.
  • Ohrstöpsel in Griffnähe halten.
    Denn ich kann nicht denken, wenn irgendwo Geräusche sind.
  • Eine Playliste mit Drone-Musik bereithalten.
    Denn wenn die Umgebungsgeräusche zu laut für Ohrstöpsel sind, muss ich sie mit etwas übertönen können, das monoton genug ist, um mich nicht abzulenken.
  • Ein separates Browserfenster für meine Recherche verwenden.
    Das Spaßfenster wird erst aufgemacht, wenn der Tag rum ist, denn das Internet legt mein Unbewusstes meistens total lahm.
  • Handcreme in Reichweite halten.
    Denn trockene Hände zu haben, lenkt mich voll ab.

Insgesamt habe ich das Gefühl, dass diese Umstellung eine wirklich gute Sache ist. Nicht nur für meine Schreibe, sondern auch für mein Selbstwertgefühl und meine Motivation.

Als nächstes kommt die Tage ein Artikel über den Flow und wie ich da rein komme. Nur für die Ela :)