Vampir School Direktvergleich

/ November 8, 2012/ Alle Posts mit Feminismus, Gut erzählt, Reviews, Schlecht erzählt/ 2Kommentare

(Review des schwedischen Originals: Klick
Review des amerikanischen Remake: Klack
Review der Buchvorlage: Äh… Kluck?)

So, wie angekündigt hab ich mir die schwedische Originalverfilmung ‚Let the right one in‘ nochmal angesehen. Mein Filmzitategedächtnis funktioniert übrigens noch. Immerhin das.

Spoiler ahead und so.

Hier erstmal meine Laufkommentare. Fazit-Fazit kommt am Ende.

Mitschrieb

  • Opening title ohne Ton.
  • Schneeeeeeeee. Rieselrieselriesel.
  • Oskar: „Squeal like a pig! Squeal!“ Oskar am Fenster.
  • Håkan und Eli im Auto, Eli summt leise.
  • Wieder Oskar am Fenster, diesmal mit Messer. Er guckt (im Gegensatz zum Remake) nicht zu, wie Håkan und Eli einziehen. Dann packt er sein Messer weg und haut sich aufs Bett. Er hört Geräusche durch die Wand.
  • Die Filmmusik ist nett. Im Remake ist sie auf Horror getrimmt und irgendwie nervig.
  • Und man lacht über Oskar, der weiß, wie man rausfindet, ob jemand in einem Feuer gestorben ist, oder schon vorher tot war.
  • Jetzt kommt Oskars Bully. Oskar weicht vor ihm zurück und wehrt sich nicht, schließt nur die Augen und lässt sich verarschen.
  • Håkan bereitet seine nächste Tour vor. Packt alles in ein Köfferchen. Dann steht er wo rum und wartet drauf, dass irgendwer arglos genug ist, ihn anzusprechen. Und er ist kein Würger wie im Remake, sondern betäubt seine Opfer mit Halothan.
  • Und jetzt kommt der Pudel… Im Remake legt sich Håkan nur auf die Schnauze, hier muss er abhauen, um nicht erwischt zu werden, und auf der Heimfahrt im Zug fällt ihm erst auf, dass er den Kanister hat stehen lassen.
  • Der Hund schlabbert das Blut vom Boden – wie es Eli später auch noch tun wird.
  • Oskar läuft mit offenem Messer durch den Schnee. Nicht sonderlich clever.
  • Und da steht Eli auf dem Klettergerüst. Springt sehr elegant runter. Und der Dialog ist doch nicht so 100% ins Remake übernommen worden. Sie trägt Hose, Schuhe und hochgekrempeltes Hemd anstatt nem Röckchen wie Abby. Und während im Remake nicht klar ist, dass Abby Håkan anschreit – Owen denkt, es wäre umgekehrt gewesen – sieht man hier die Szene und hört Elis bedrohliche Wut- und Hungerschmatzer.
  • Die Lehrerin erzählt von dem Mord, nicht der Bullerist. Oskar langweilt sich. Im Remake wird die Gelegenheit genutzt, um zu zeigen, dass Owen von seinem Bully schon Ärger kriegt, wenn er nur guckt. Owen ist so voll das Opfer. Oskar hat zwar auch Angst, aber irgendwie anders als Owen. Der ist so der Zwischen-den-Fingern-durch-aufs-Unheil-gucker-und-sich-fürchter, während Oskar sich der Bedrohung direkter aussetzt. Oskar wirkt depressiv, Owen verängstigt.
  • Was im Remake total fehlt, ist die Faszination des Jungen für Mord und Mörder. Oskar sammelt Zeitungsausschnitte und bei ihm zieht sich das Psychopathische so durch, während Owen nur mal diesen Ausrutscher vorm Spiegel hat und Leute bespannt.
  • Jetzt kommt die Bistro-Szene, in der wir Elis nächste zwei Opfer kennenlernen, sowie die Freundesgruppe, zu der sie gehören. Gesprächsthema Todesstrafe, Russen und Klapperschlangen, hmmm… Håkan sitzt in der Nähe, lehnt das Kontaktangebot der Gruppe aber ab.
  • Keinerlei Erwähnung irgendwie gearteter Religion, im Gegensatz zum Remake.
  • Die Rubiks-Cube-Szene
  • Eli wieder in Hose und Hemd
  • Lina Leandersson spielt das Zurückhaltende, Zögerliche viel besser als Chloe Moretz. Viel mehr subtile Mimik.
  • Vampirkontaktlinsen, und Eli sieht sehr alt aus in dem Close-up.
  • Und nu muss Jocke dran glauben. Aber vorher verabschiedet er sich noch herzlich von seinem Freund Lacke. Der Katzenmann sieht vom Balkon aus zu. Dann sitzt Eli auf der Leiche und weint.
  • Und jetzt schimpft Håkan Eli aus. Oskar hört an der Wand zu, aber es ist kein Wort zu verstehen.
  • Zweite Bistroszene. Der Katzenmann holt seine Freunde.
  • Håkan entsorgt Jocke in den See. Im Remake macht er das mit der ersten Leiche; der Jogger, der als Lacke-Ersatz fungiert, bleibt liegen.
  • Und Oskar freut sich über seine Nerd-Freundin, die den Rubik’s Cube lösen kann.
  • Landschaftsaufnahmen von Oskars Wohngegend.
  • Die Lehrerin liest ‚Der kleine Hobbit‘ vor und Oskar bleibt länger, um Morsecode abzuschreiben.
  • Bully und Freunde lauern Oskar auf, die Heulsuse haut ihn und heult, Oskar findet den Subspace (oder sowas).
  • Im Original hauen die Bullies ab, nachdem sie Oskar ins Gesicht geschlagen haben, weil „Wer erklärt das Oskars Mutter?“ Im Remake bläut der Oberbully Owen ein, dass er behaupten soll, auf dem Spielplatz hingefallen zu sein. Das Original gibt Oskar mehr Gelegenheit, sich Hilfe zu holen, und somit auch mehr Gelegenheit, die Gewalt, die ihm angetan wurde, zu vertuschen.
  • Und ich hatte recht. Als Eli Oskar ihre Hilfe gegen die Bullies anbietet, sagt Oskar nicht „But you’re a girl!“ sondern lädt sie wohin ein.
  • Eli trägt übrigens alte Klamotten und immer ne Hose; Abby hingegen putzt sich raus und kleidet sich immer feminin. Abbys Geschlechtsidentität wird von ihr trotzdem als ’nothing‘ angegeben.
  • Turnunterricht; Oskar fragt nach dem Gewichtheben.
  • Katzenterror am Süßigkeitenstand. Hah, im Remake überredet Owen Abby, was zu probieren („Das ist superlecker, das beste überhaupt!“ Social coercion); im Original sagt Oskar nur „Schade.“ als Eli ablehnt – woraufhin sie es sich anders überlegt.
  • Als Eli/Abby sagt: „Würdest du mich auch mögen, wenn ich kein Mädchen wäre?“, sagt Oskar: „Ich denke schon.“, während Owen sagt: „Ich weiß nicht. Möglicherweise.“ Subtile Trans- bzw. Homophobie im Drehbuch.
  • Jetzt besucht Oskar seinen Vater; im Remake gibts nur das Telefonat. Vattern spielt mit Oskar.
  • Das Gespräch vor Håkans letztem Einsatz zeigt Eli um seine Sicherheit besorgt, und Håkan sagt: „Wozu bin ich denn sonst zu gebrauchen?“ Man sieht auch, wie er die Säure einpackt, mit den Worten „Ein paar Leute hier kennen mein Gesicht und wissen, dass ich mit dir zusammenwohne.“
  • Und nächste Gedächtnisüberprüfung. Håkan sagt… „Könntest du den Jungen heute Abend nicht sehen? Bitte?“ 100 Punkte für mich! :D Im Remake bittet er Abby, Owen nie wieder zu sehen. Das sagt für meinen Geschmack einiges aus.
  • Im Remake richtet Håkan einen Besitzanspruch an Abby, obwohl er vorher seine Ermüdung explizit gemacht hat und eigentlich voll dafür sein sollte, dass sie sich einen guten neuen Tageslichtsklaven zulegt.
  • Im Original ist es ein „Erweise mir die Ehre, nicht mit meinem Nachfolger rumzuhängen, während ich zum letzten mal mein Leben für dich riskiere.“
  • Und nu macht er einen auf Pädospanner am Turnhallenfenster. Es wirkt ziemlich so als würde er es drauf anlegen, erwischt zu werden.
  • Wir sehen eine dicke schwarze Wand zwischen der Dusche, in der sich Håkan versteckt, und dem Umkleideraum, in dem der Junge hängt, den er eigentlich umbringen wollte. Er klebt da so außen im Eckchen. Sehr schöne bildliche Umsetzung der Situation.
  • Wir sehen Eli trauern; sie setzt an, über Håkans Bitte hinwegzugehen und mit Oskar zu morsen, aber sie lässt es dann doch.
  • Und nun kämpft sich Oskar mit Gewichten ab, während seine Bullies auf seine Klamotten pissen. Er summt trotzdem vor sich hin, als er in seinen Sporthosen durch den Schnee nach hause stapft.
  • Eli lässt sich ins KH bitten. Sowas. Hab ich beim ersten Gucken voll überhört.
  • Und sie klettert die Wand viel geschickter hoch als Abby.
  • Hier sehen wir die Szene mit Eli am Fenster von innen. Im Remake ist sie von außen gefilmt, also aus Abbys Perspektive, und nicht aus Håkans.
  • Eli zögert nicht, ihn zu beißen; Abby lässt sich bitten.
  • Lacke wacht mitten in der Nacht auf und schwört Rache für Jockes Tod.
  • Oskar: „Willst du meine Freundin sein?“
    Eli: „Oskar, ich bin kein Mädchen.“
    Oskar: „Also, willst du mit mir gehen?“
    VS
    Owen: „Willst du meine Freundin sein?“
    Abby: „Owen, ich bin kein Mädchen.“
    Owen: „Wenn du nicht willst, sag es einfach; du brauchst nicht zu lügen.“
    Abby: „Ich bin wirklich kein Mädchen.“
    Owen: „Was bist du dann?“
    Abby: „Gar nichts.“
    Dieses Beharren auf einer klaren Geschlechtsidentität und einer daran ausgerichteten sozialen Rolle im Remake! Grah! Eine von Oskars coolsten Eigenschaften ist es, dass ihn Elis Geschlecht schlicht nicht interessiert; im Remake wird da drumrumgetanzt, damit Abby bloß nicht trans wirkt, oder Oskar schwul.
  • Und der Schulausflug aufs Eis. Oskar muss die Leiche im Eis gesehen haben, sagt aber nichts; erst die beiden Kids, die mal müssen, geben Laut.
  • Schlitzohr schreit, aber im Original stehen seine zwei Freunde nur daneben, während sie im Remake offenkundig Anteil nehmen. Oskar ist high. Owens Reaktion wird glaub ich unterschlagen, oder er steht nur da und glotzt; ich weiß es nicht mehr. Er geht jedenfalls nicht so ab wie Oskar.
  • Und die nächste Gewichthebesession. Danach planscht Oskar im Schwimmbecken rum wie ein kleiner Depp, und einer von Bullys Schergen quatscht ihn kurz an.
  • Eli zum ersten mal eindeutig feminin gekleidet. Und sie hat ihre Hunger-Kontaktlinsen drin. Das Versteck, das im Remake im Detail erklärt und begründet wird, bleibt im Original kommentarlos.
  • Und Oskar macht den Deppenschnitt quer über die Handfläche; Owen hat sich bloß den Daumen geritzt.
  • Elis Attacke auf die Blutpfütze ist echt nicht halb so nett wie Abbys Raegan-esquer Auftritt.
  • Jockes Freundeskreis ist beim Katzenmann zu Besuch; Lacke trauert weiter und disst seine Freundin, die ihm dafür eins über den Latz zieht und rausrennt, genau unter Elis Baum lang.
  • Lacke kickt Eli von Ginia runter und setzt sich dann zu Ginia, würdigt Eli keines weiteren Blickes; allerdings kommen auch seine Freund angestiefelt. Hm. Wirkt trotzdem unrealistisch auf mich.
  • Landschaftsaufnahme, dann Cut zur Ginia, deren Finger von der Morgensonne angekokelt wird.
  • Oskar wieder beim Vater zu Besuch; sie spielen. Vatterns Kumpel kommt in Hausschlappen durch den Schnee vorbei, Saufing ensues. Oskar langweilt sich und fährt per Anhalter nach Hause. Patenter, selbständiger Junge; and not a single fuck was given that day.
  • Ginia rennt zum Katzenmann, bei dem Lacke rumsitzt und labert und labert und labert. Ginia ist völlig fertig. Angriff der CGI-Katzen, die dazu führt, dass Ginia die Treppe runterfällt. Sie landet in der Psychiatrie, tretend und schreiend.
  • Oskar geht bei Eli vorbei. Er zwingt sie nicht, ihn reinzubitten, wie Owen das mit Abby macht.
  • Eli schließt eine Glastür zwischen sich und Oskar; er fragt, ob sie ein Vampir ist. Gegen Ende der Szene wird Oskar ungemütlich und anklagend in Sachen Morde, und dass Eli das Geld offensichtlich von ihren Opfern geklaut hat. Im Remake wird das nie explizit angesprochen, da wird nur gezeigt, dass Abby offensichtlich so ihren Lebensunterhalt bestreitet, und Owen wird nicht konfrontativ.
  • Lacke macht Pläne für wenn er reich ist. Ginia lehnt ihr Vampirleben ab, auch wenn sie nicht genau weiß, was es ist.
  • Oskar ist gut drauf, obwohl seine Freundin ein Vampir ist, und blödelt mit seiner Mutter rum.
  • Ginia lässt sich die Vorhänge aufziehen und geht in Flammen auf. Im Remake ist es ja ein Versehen und macht damit keinerlei Aussage über Vampirismus.
  • Der große Bruder vom Bully wird in der Szene mit der Schlüsselübergabe nicht halb so gemein dargestellt; im Remake beschimpft er den Bully ja und droht ihm grundlos.
  • Und Elis Besuch. Oskar macht sein Machtspielchen. Im Remake fragt Owen: „Wenn ich nichts gesagt hätte, wärst du dann gestorben?“ Und Abby sagt: „Ich wusste, dass du mir das nicht antun würdest.“ Bloß nicht selber denken lassen, das Publikum. Nachher zerrt es sich noch ne Hirnwindung.
  • Eli puzzelt. Offensichtlich mag sie Puzzles. Im Remake sagt sie: „Ich mag Puzzles.“
  • Lacke kommt bei Eli vorbei, die sowohl seinen besten Freund, als auch seine Freundin umgebracht hat; wenn auch letztere nur indirekt. Er ist unbewaffnet, hat aber keinen Schiss wie der Bulle im Remake.
  • Schlösser in Schweden scheinen mieseste Qualität zu haben. Die kann man mit nem Kartoffelmesser knacken…
  • Lacke probiert doch den Lichtschalter, aber man hörts nur und siehts nicht demonstrativ.
  • Jetzt will er Eli abstechen, Oskar schreit, Eli greift an, Oskar macht die Tür halb zu und geht weg.
  • Eli und Oskar knutschen; im Remake isses bloß ein kleines Bussi auf den Mund.
  • Landschaftsaufnahme.
  • Oskar weint, aber nicht so schluchzig wie Owen.
  • Und nu planscht er wieder rum wie ein albern glückliches kleines Kind.
  • Heulsuse heult, Oskar hängt im Subspace rum. Unter Wasser. Ein abgerissener Kopf im Hintergrund, abgerissener Arm im Vordergrund. Und während Owen röchelnd über dem Beckenrand hängt, blinzelt Oskar nur und holt zur Abwechslung nochmal Luft.
  • Die Heulsuse lebt noch und heult.
  • Und Schneeeeee. Aber es ist noch nicht vorbei. Erst kommt noch die letzte Szene, die sie sich hätten sparen sollen.

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Fazit:
‚Let me in‘ und ‚Let the right one in‘ sind echt mal zwei völlig verschiedene Filme mit ner ähnlichen Storyline aber total unterschiedlichen Charakteren und Atmosphären.
Das Remake versucht, ein Horrorfilm zu sein – was ihm auch gelingt, und Abbys Make-up-Effekte hätte ich super gern für Eli; was ihm nicht gelingt, ist der Aufbau logischer, konsistenter Charaktere. Kodi Smit-McPhee spielt super, aber Chloe Moretz wirkt wirklich steif durch ihre kaum vorhandene Mimik, während Lina Leandersson das Ganze echt gut drauf hat. Kåre Hedebrant spielt Moretz genau so an die Wand – oder würde es, wenn er mit ihr in nem Film auftauchen würde.
‚Let me in‘ setzt auf einen klassischen Hollywood-Horror-Aufbau, der seinem Publikum nicht zutraut, an tiefergehenden Geschichten interessiert zu sein.
‚Let the right one in‘ hingegen gibt einen Scheiß auf Genres und erzählt die Geschichte in einer Weise, die ihr erlaubt, ihre Wirkung eigenständig und ohne billige Tricks zu entfalten.

Achso, zum Abschluss noch ein Blick auf die Taglines der jeweiligen Filmplakate.
‚Let the right one in‘: Eli is 12 years old. She’s been 12 for over 200 years and she just moved in next door.
‚Let me in‘: Innocence dies. Abby doesn’t.
Letztere ist knackiger, aber wenn man sich den Film mal ansieht, und dann beide Filme vergleicht, hat das Original nichts mit Unschuld zu tun, und im Remake haben wir einen verwirrten Jungen, der kurz über seine Naivität stolpert, dann aber lieber mit dem gruseligen Vampirmädchen mitgeht, als in seiner lahmen Plattenbausiedlung zu verrotten.

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