Der Flow oder: Wie ich meine Muse küsse

/ Oktober 5, 2013

Ein Gemälde einer hübschen, schwarzhaarigen Frau in gelben und orangen Gewändern.Wie versprochen, ein Pöstchen für Ela, und hier kann man viele viele Details zur Brande-Methode nachlesen.

Das ist die Emanzipation: Früher musste frau darauf warten, dass sich ihr Angebeteter dazu herabließ, ‚den Ersten Schritt‘ zu machen. Heute darf frau selbst die Sache in die Hand nehmen und sogar andere Frauen ansprechen oder Heiratsanträge machen *gasp!*

Genau so ist es mit der Muse. Frau kann darauf warten, dass sie kommt und sie küsst. Frau kann aber auch hingehen, ihre Muse leidenschaftlich hintenüberbeugen und sie knutschen, dass dem hübschen Geschöpf glatt die Luft wegbleibt. Musen haben ein Faible für Dominanz, das man ihnen so gar nicht zutrauen würde.

*räusper*

In der Praxis sieht das so aus:

Ich setze mich hin, nehme einen Stift in die Hand und dann schreibe ich. Die ersten paar Sätze hakeln meistens (da schreib ich sowas wie: ‚Was schreib ich denn heute? Keine Idee… Blahblahblah. Ach ja, ich wollte ja…‘) und dann macht es *pling!* und der Flow geht los.
Entweder in Form von einer Geschichte oder einem Plan für eine Szene oder Fragen an eine Szene oder einen Chara (z.B. ‚Was muss passieren, damit [Situation A] zu [Situation B] wird?‘ oder ‚Was denkt [Chara], dass [anderer Chara] will?‘), die ich dann beantworte (was mir viel mehr Klarheit über die Situation beschert, Handlungslücken füllt, Charaktere aufpolstert usw.).

Ich kann den Flow auch mit solchen Fragen triggern. Sprich, ich setz mich hin und schreibe eine Frage auf wie: ‚In welche Reihenfolge sollte ich [Szene1], [Szene 2] und [Szene 3] bringen? Was will ich am Ende für eine Situation haben? Muss sonst noch etwas passieren, damit die Situation entsteht?‘ Sowas triggert mehr Stichpunkte und schematisches Zeug, auf dem ich dann aber ganz leicht aufbauen kann.

Wichtig ist halt für mich, dass ich schreibe, während ich denke, und schreibe, was ich denke.

Meine Muse findet das unglaublich sexy.

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2 Kommentare

  1. Und wie schaut’s aus mit dem Flowitus Interruptus?;-)
    Ich habe da noch ein wenig drüber nachgedacht und glaube fast, dass man (wir? ich?;-) das in der Hemmingway Disskussion damals vielleicht aufgrund des Kurzgefassten Zitatcharakters nicht so interpretiert haben, wie es gemeint war – „Aufhören bevor man keine Idee mehr hat“ muss ja nicht zwingend bedeuten, dass man mitten in der Szene plötzlich den Stift fallen lässt, aber eben vielleicht eine neue Szene, für die man schon einen Einstieg, aber noch keinen wirklichen Plan hat, auf den nächsten Schreibtag verschiebt – zum einen weil man dann nicht direkt an der „hakeligen“ Stelle wieder einsteigen muss (Frustgefahr;-), aber zum anderen vielleicht auch, weil man so seinem Background Processing noch ein wenig Zeit gibt den fehlenden Plan noch zu finden. Also quasi lieber nochmal um den Block fahren, als gradeaus gegen die Wand.;-)

    1. Ha, dazu wollte ich auch noch nen Artikel schreiben. Hab ich das schon angekündigt? Ich kündige ständig Sachen an in letzter Zeit :D

      Gegen den Flowitus Interruptus hilft das pro-aktive Programm, das ich in meinem Post über die ersten 14 Tage Brande-Methode erwähnt habe.

      Setz dich hin und plane die Szene.
      Fang mit Fragen an. Z.B.:
      – Wo sind die Charaktere gerade (emotional, Wissensstand usw.)?
      – Was denken sie über [Situation, anderen Charakter, dessen Dispos]?
      – Was soll die Szene für Information vermitteln?
      – Wie wird sie für den Rest der Geschichte relevant?
      – Wie soll sich die Szene anfühlen? Die Charaktere? Ihre Interaktion?
      – Wie sollen die Charaktere aus der Szene herausgehen [Dispo, Wissen, Ziele], bzw. was will ich vorbereiten?
      – Welche Auswirkung soll die Szene auf die betroffenen Beziehungen haben?
      – Warum ist diese Szene so verdammt langweilig?
      – Wie kann ich Aktion in die Szene hineinbringen?

      Schreib dir alle Fragen auf, die dir einfallen, irgendwann ist die dabei, die du brauchst, um über den inspirativen Stein in deinem Weg hinwegzukommen. Dann schreib, oder mach dir eine Skizze, bis du das Gefühl hast, du kannst jetzt schreiben.
      Sicher ist auch Backgroundprocessing wichtig, aber Kreativität will angekurbelt und aktiv genutzt werden. Wenn du allein darauf vertraust, dass da schon irgendwann die nötige Idee rausfallen wird, geht alles gähnend langsam.
      Außerdem hindert dich nichts daran, deine pro-aktiv erarbeiteten Szenen später noch zu erweitern, zu kürzen oder sonstwie zu überarbeiten, wenn dein Backgroundprocessing später noch auf eigene Faust irgend etwas relevantes ausspuckt.

      Ich hab diese Woche allein drei (3) Szenen mit insgesamt um die fünf (5) hakeligen Stellen geschrieben. Wenn ich auf mein Backgroundprocessing gewartet hätte, würde ich Ende des Jahres noch rumsitzen und mich grämen, und es vielleicht im Frühjahr nochmal mit der ersten von diesen drei Szenen versuchen. Das ist echt so. An der Ausarbeitung vom Kuwe sitze ich seit motherfucking 2009!! Vier Jahre, in denen ich darauf gewartet habe, dass mein Backgroundprocessing Antworten ausspuckt. Und diese Woche habe ich mehr geschafft als sonst in einem halben Jahr.
      Es ist echt nicht witzig.

      Nimm die Sache in die Hand, geh aktiv vor und entwickle einen Arbeitsprozess, der alles ausnutzt, was deine Kreativität triggert.
      Zeig deiner Muse den Weg mit Rosenblättern und Kerzen und massier ihr in der warmen Wanne die Schultern, bis sie Wachs in deinen Händen ist. *Musik aufleg* :D

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