Grade sehr à propos: ‚Schreibblockade‘

/ November 30, 2012/ InspirationsHandwerk, Schreibtips/ 0Kommentare

Da wurde ich doch glatt in ein Forum eingeladen. Guck an. Ein zugehöriges Blog der Forenadmine gibts auch. Darin den ersten einer Reihe von Artikeln zum Thema der guten alten Schreibblockade.

Da ich grad auch mal wieder eine habe, dachte ich mir, schreib ich doch mal auf, wie das bei mir persönlich so ist.

Und zwar habe ich bei mir drei grundsätzliche Ursachen für eine Blockade identifizieren können:

1. Der Überdruss
Manchmal geht mir der Text, an dem ich gerade arbeite, von einer Sekunde auf die nächste einfach nur total auf den Sack und ich habe keinen Bock mehr auf den Scheiß.
Dieser Fall ist halb so wild, weil ich mir dann einfach einen anderen Text vornehmen und daran arbeiten kann, bis ich auf den ersten wieder mehr Lust habe.

2. Die Notbremse
Mein Schreibtalent – lasst es mich einfach mal so nennen, okay? danke – hat anscheinend einen eingebauten Mechanismus, der sämtliche Kreativität zu einem scheußlich quietschenden Halt kommen lässt, wenn an dem Textstück, das ich gerade bearbeite, irgend etwas absolut nicht stimmt. Ich kann dann keinen geraden Satz mehr formulieren. Es ist richtig peinlich.
Dieser Mechanismus ist allerdings sehr primitiv. Das bedeutet erstens, dass ich die Notbremse nur durch Versuch und Irrtum von Überdruss unterscheiden kann (außer es handelt sich um eine der Szenen, auf die ich total stehe, weshalb Überdruss als Möglichkeit mal voll wegfällt) und zweitens, dass ich keinerlei wie auch immer gearteten Hinweis darauf habe, was an der Szene denn nun nicht stimmt (oberhalb der Satzebene, sprich, wegen einer Formulierung bremst es noch nicht).
Folglich muss ich jeden einzelnen Aspekt der Szene untersuchen. Ist irgendwas unrealistisch? Ist ein Charakter OOC? Ist irgendwo ein Widerspruch? Ist irgend etwas einfach nur so irgendwie scheiße aufgebaut?
Glücklicherweise löst sich die Bremse sofort wieder, wenn ich das Problem erkannt habe, und zur Belohnung verpasst mir mein Gehirn dann eine Dosis Ich-bin-ja-so-genial-omg. Es sei denn, der Fehler war extrem vermeidbar. Dann bekomme ich eine Dosis Alter-wie-konnte-ich-das-nur-übersehen-ich-bin-ja-vollkommen-unfähig.

3. Das scheißverdammte Strukturarschlochproblem
Manchmal weiß ich, was an einer Szene nicht stimmt. Manchmal ist da sehr viel, das nicht stimmt. Manchmal weiß ich, dass ich diese Szene zumindest in Teilen umstrukturieren muss. Manchmal ist es dann so, dass durch die Umstrukturierung Anschlüsse verloren gehen und die Wirkung nicht so leicht aufrechzuerhalten ist. Und manchmal hab ich einfach keine einzige gottverdammte Idee, wie ich diesen Problemkomplex lösen soll.
Sowas macht mich kirre. Vor allem weil ich dann trotz akutem Formulierungswolf* zig Möglichkeiten ausprobieren muss, die jede wieder eigene Probleme mit sich bringen, die mit dem Ausgangsproblem überhaupt nichts zu tun haben, und es fühlt sich an als würde ich hunderttausende von Worten in ein Fass ohne Boden schmeißen, während ich entweder die Lust verliere oder sich die Notbremse reinhaut weil die ‚Lösung‘, die ich gerade ausprobiere, irgendwie scheiße ist.
Früher oder später macht es zwar schon klick und ich kann wieder weiter machen, aber bis dahin nage ich vor Frust Kerben in meine Tastatur.

Meine aktuelle Blockade geht auf ein scheißverdammtes Strukturarschlochproblem zurück. Und ich hasse hasse hasse hasse hasse es!!!
Morgen werde ich mich am Riemen reißen und eine graphische Übersicht über die Szene erstellen, eine Liste der Dinge, die die Szene erreichen soll, und dann wahrscheinlich noch so ein Pro-Contra-Listchen, damit ich mich zwischen den verschiedenen Möglichkeiten entscheiden kann. Meistens ist mir das zuviel Aufwand und ich warte einfach was länger bis es von alleine klick macht, aber ich glaube, grade bin ich sauer genug, um das Problem unter vollem Körpereinsatz mit einem Papierpanzer über den Haufen rollen zu wollen.

Zum Abschluss noch drei Sätze zu der Behauptung „ein Handwerker (hat) schließlich auch keine Blockade (…) (wegen der er) seine Arbeit nicht verrichten kann“ die auch Juna Lee so nicht akzeptiert:
Auch Handwerker_innen sind des öfteren mal mit Problemstellungen konfrontiert, die sich erst durch intensives Nachdenken einer Lösung zuführen lassen. Selbst wenn sie bloß Waschmaschineninstallateur_innen sind. Mancher Wasser- oder Stromanschluss ist nicht so einfach zu erreichen.

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* Der Formulierungswolf ist ein schreckliches Raubtier, das bevorzugt Plotbunnies frisst, in deren Abwesenheit jedoch auch mit einer Diät aus Sätzen zufrieden ist.
Mit anderen Worten: Formulierungswolf ist, wenn man ums Verrecken keinen geraden Satz rauskriegt und/oder einfach nicht ausgedrückt kriegt, was man gerade sagen will.
Chronischer Formulierungswolf hat schon gestandene Autor_innen in die rasende Verzweiflung getrieben.

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