Mrz 122016
 

Im Leben jede_r Autor_in kommt der Zeitpunkt, an dem s_ie das komplette Ding nochmal drüberlesen muss.
Wenn du so bist wie ich, kommt dieser Zeitpunkt häufiger, und wenn du sehr so bist wie ich, dauert das jedes mal ewig und kostet unglaublich viel Energie, weil du es nicht lassen kannst, ständig irgendwas umzuformulieren und dich in Details zu verlieren.

Überhaupt auf Text-to-Speech bin ich gekommen, da ich (zudem noch) das Problem habe, dass ich nicht mehr gut am Computer lesen kann. Es saugt mir die Energie aus dem Hirn, fragt mich nicht warum, ich habe keine Ahnung. Jedenfalls stolperte ich irgendwann zufällig über den Fakt, dass mein Computer vorlesen kann, und eine Welt, die sich mir weitgehend verschlossen hatte, wurde wieder zugänglich.
Auch die Texte, die ich selbst schreibe, lasse ich mir vorlesen. Und so begab es sich…….

Nein, Moment, ehe ich die Segnungen des TTS besinge und mein eigenes Setup vorstelle, lasst mich den Einwand aus dem Weg räumen, der euch garantiert gerade durch den Kopf geht:

Wie bitte soll es meine Seele überleben, wenn Stephen Hawking meine Story runterleiert und jedes dritte Wort falsch ausspricht?

Continue Reading Die Geheimwaffe für effektiveres Überarbeiten: Text-To-Speech

Jan 072016
 

Damit die liebe Ela endlich was zum drauf verlinken hat, wenn es um Scrivener geht.

Ich war ja zuerst skeptisch (ich weiß, wann bin ich das mal nicht) was Scrivener angeht.

1. Weil sich von meinem Gefühl her so ein bisschen ein Hype Schrägstrich Elitismus rund um den Scrivener entwickelt hat, dahingehend, dass jede_r Autor_in dringend dieses Programm haben muss (oder Papyrus oder Storyist oder StoryMill oder eines der zahlreichen anderen hochgepowerten Schreibprogramme-extra-für-Autor_innen, die es da draußen gibt), wenn si_e cool sein will.

2. Weil ich – wie ja alle wissen – mehr so zum Minimalismus tendiere, wenn es um Texteditoren geht, und Scrivener auf den ersten Blick nicht gerade mit Einfachheit glänzt. Ich bin zu lange zu gut mit den simpelsten Tools zurechtgekommen und dachte nicht, dass ich auf etwas stoßen könnte, das ich tatsächlich gebraucht habe ohne es zu wissen. (Spoiler: Sowas von falsch gedacht…)

Und wie ich so bin – promiskuitiv und treulos, wenn es um mein Schreibwerkzeug geht – habe ich Scrivener dann doch mal ausprobiert. Beim ersten mal war ich überhaupt nicht begeistert und hab ihn ziemlich schnell wieder deinstalliert. War mir zu viel Brimborium und so.
Beim zweiten mal hatte ich dann die Muße, mich tatsächlich mit dem Programm zu beschäftigen (der Macher von Scrivener, Keith Blount (ja, eine Person, Singular) ist so fair, die 30-Tage Trial-Periode so zu gestalten, dass nur Tage gezählt werden, an denen man Scrivener tatsächlich offen hatte), und nach einigen sehr hilfreichen Kommunikationen im Forum, habe ich meinen Seelenverwandten erkannt. Seit Februar 2015 arbeite ich mit Scriv, und ich hatte seitdem keinerlei Bedürfnis mehr, nach einem anderen Editor zu suchen. Monogamismus, yay.Continue Reading Scrivener – (M)ein Use-Case in ~10 Features

Dez 272015
 


Eine Review, die im Grunde genommen ein langes Loblied auf Christine Daaé und ihre stahlharte Toughness ist.

Wie schon vor einer ganzen Weile angekündigt, habe ich ‚Das Phantom der Oper‚ von Gaston Leroux noch einmal gelesen und mir viele viele Notizen gemacht. Der Vergleich mit Nicholas Meyers ‚Sherlock Holmes und das Phantom der Oper‚ steht ganz unten unterm Fazit.
Und was soll ich sagen, es war ein wilder Ritt.
Es ist nicht so, dass mir das Buch bei diesem zweiten Lesen unbedingt besser gefallen hätte als beim ersten, aber ich denke, ich kann es jetzt besser einordnen, und habe meine Meinung nicht aufgrund von enttäuschten Phan-Erwartungen, sondern aufgrund von enttäuschten Erwartungen im allgemeinen.

Aber fangen wir mit etwas an, das mir gefallen hat…

Christine Daaé ist eine gottverdammte Heldin!Continue Reading Review: Das Phantom der Oper (Leroux)

Dez 192015
 

Eine Skulptur eines gemütlich zwischen Pflanzen auf der Seite liegenden Buddha.

Der Titel ist etwas reißerisch, aber ich bin grad voll so pumped und so, und die Buddha-Statue bildet einen beruhigenden Kontrast, damit hier niemand Bluthochdruck kriegt. Sie ist aber auch on-topic. Versprochen.

Anlässlich meines kürzlich geposteten Artikels unterhalte ich mich gerade mit Ela über unsere – dem Schein nach – unterschiedlichen Schreibweisen.

Ela schreibt im Allgemeinen ohne viel Vorbereitung drauflos, ich schreibe erst los, wenn ich den Anfang der Geschichte schonmal grob ausgearbeitet habe und in etwa weiß, wo es hingehen wird.
Elas Arbeitsweise bezeichnet man als ‚entdeckendes Schreiben‘ oder ‚Pantsing‘ – von englisch ‚pants‘, Hose, weil man sich auf den Hosenboden setzt und schreibt – während meine ‚planendes Schreiben‘, ‚Planning‘, heißt.
Und da ich den Eindruck habe, dass man sich an dem Wort ‚Plan‘ ganz zu unrecht aufhängen kann – und mir im Schreiben dieses Artikels aufgegangen ist, dass die Unterscheidung nur LÜGE, ALLES LÜGE!! ist – dachte ich mir, poste ich mal was dazu, was ‚planendes‘ Schreiben (bei mir) eigentlich ist.

Nämlich mehr ein vorausschauendes Schreiben und im Grunde genommen auch bloß Pantsing mit Kristallkugel und ohne Chronologie.

Vorausgeschickte Frage an Ela, von der abhängt, ob dieser Artikel für sie völlig am Thema vorbeigeht oder nicht: Wenn du an der zweiten Szene einer Geschichte arbeitest, ist die erste, schon geschriebene, dann auch tot und in den Schaukasten gepinnt?

Und nun…
Die Sache ist also die: Continue Reading Achronologisches Pantsing – Die Wahrheit über „Planendes“ Schreiben

Dez 152015
 

Grade bin ich wieder in einer für mich immer sehr gruseligen Situation. Ich habe eine Lücke in der bekannten Welt erreicht, eine Beinahe-Leer-Stelle in meinem Plot, eine Szene, die wie folgt in meinem Tagesplan drinsteht:

* Tel Joe/Judi (Kunst, Videos, L.E.Mort)
* Sieht L zu, wie er an Glasinstrument arbeitet, sieht Ölbild, Kreidebild, malt selber was? (Reden über Sérafine?)

Und das ist alles. Mehr steht da nicht. Mehr Gedanken habe ich mir zu den Ereignissen dieses Tages nicht gemacht. Ich habe kein Ziel an diesem Tag, es gibt nichts, was da passieren muss, nichts, was mich anmacht oder reizt, gar nichts. Eine öde, wüste Leere, oder eine Öde, Wüste und Leere, wenn man Adjektive nicht so mag (hab kürzlich von Ela gehört, dass es so Leute tatsächlich gibt, wer hätte das erwartet? Ich nicht!)

Wie geht man (lies: ich) mit sowas um? Tjaaaa…Continue Reading Unerforschtes Gebiet – Vom Weiterschreiben am Ende der ausgegorenen Ideen

Nov 102015
 

Bevor ich irgend etwas anderes sage, möchte euch hier zuallererst mal an der Weisheit einer armen, im Cloud-Service-Kundensupport erfahrenen Person teilhaben lassen:

Bitte behaltet immer eine lokale Kopie eurer Daten, wenn ihr einen Cloud-Service nutzt.
Denn…
1. … ohne eine lokale Kopie eurer Daten seid ihr bei Ende-zu-Ende verschlüsselten Varianten, die aus technischen Gründen keine Passwortwiederherstellung anbieten können (das Passwort verlässt niemals euren Rechner), nur ein verlorenes Passwort weit vom totalen, unwiederbringlichen Datenverlust entfernt.
2. … ohne lokale Kopie ist euer Zugang zu euren Daten nur so verfügbar und stabil wie euer Internetzugang und ein kaputter Router bedeutet, dass ihr unter Umständen tagelang nicht an eure Daten kommt.
3. … ohne lokale Kopie könnt ihr von euren Daten ausgesperrt werden, wenn euer Account mal aus irgend einem Grund suspendiert wird, und wenn er gelöscht wird, seid ihr eure Daten los.

Cloud-Services sind kein Ersatz für die eigene Festplatte, sie sind dazu da, ein automatisch aktuell gehaltenes Backup zu speichern, auf das ihr zurückgreifen könnt, wenn eurer Festplatte mal was passiert.

Also behaltet immer, immer, immer eine lokale Kopie eurer Daten!

((UPDATE: Benutzt nicht Tresorit, wenn ihr mit Paketdateien arbeitet!
Paketdateien sind Dateien wie z.B. .scriv, Anwendungen/Programme oder Installationspakete, also alles, was bei einem Rechts-Klick die Option ‚Paketinhalt anzeigen‘ anbietet. Tresorit läd diese Dateien einmal hoch, ist aber nicht in der Lage, Änderungen innerhalb der Pakete zu erkennen und in der Cloud abzubilden. Das heißt, die Datei bleibt für immer auf dem Stand, auf dem ihr sie das erste mal hochgeladen habt, ganz gleich wie brav Tresorit so tut, als würde es Daten hochladen. Das gilt auch bei manuellen Updates.
Ich habe versucht, mich an den Support zu wenden, aber nachdem ich zum zehnten mal an deren Captcha gescheitert bin, wurde klar, dass die gerade keinen Support anbieten…

Mega und SpiderOak hingegen kommen mit Paketdateien super klar, das hab ich gerade überprüft und dann einen tiefen, tiefen, tiefen Seufzer der Erleichterung ausgestoßen.))

Kommen wir nun zum eigentlichen Artikel: Continue Reading Backups! SpiderOak, Tresorit und Mega

Okt 012015
 

Einsen und Nullen und darüber gelegt der Text: "Es gibt 10 (eins null) Arten von Menschen: Die, die das Binärsystem verstehen, und die, die das nicht tun."

Ich weiß, der Witz ist alt, aber er passt so gut…


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(CW: Das eurozentrische binäre Gendersystem und einige der damit verbundenen sozialen Zwänge werden beschrieben)

(EDIT: Ich habe den Text ein wenig spezifischer formuliert, um nicht die rassistische Annahme zu verbreiten, jede Gesellschaft auf diesem Planeten wäre, was Sex/Gender angeht, binär und zwanghaft gestaltet – auch wenn ich persönlich nicht daran glaube, dass es auch nur eine einzige Gesellschaft gibt oder je gegeben hat, die über vergleichbare Konzepte wie ‚Sex‘ und ‚Gender‘ verfügt – egal ob mit zwei, drei oder mehr Kategorien – diese aber weder hierarchisch sortiert noch Abweich_lerinnen gegenüber gewaltsam durchgesetzt hat; ich glaube nicht an gewaltfreie Gesellschaften, lasse mich aber gern durch Fallbeispiele wiederlegen. Bitte wiederlegt mich… Gebt mir Hoffnung… -.-)

Hier ein Link zum Vorgängerpost, in dem es auch um Gender geht: Die einzig wahre Gender-Wahrheit

Persönliches Vorgeplänkel über Binder und Brüste Zeigen

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Und hier wird es (scheinbar) kompliziert.
Denn die Frage ist: Ist dieses Gefühl, dass meine Brüste an meinem Körper fehl am Platz sind, wirklich mein eigenes?
Also haben wir hier eine idiosynkratische Körperdysmorphie, die mir eben eigen und von meinem sozialen Umfeld und dem Blick anderer Menschen unabhängig ist? Würde ich auch so für meine Brüste empfinden, wenn ich in einer perfekten, gender-gewalt-freien Welt leben würde, in der niemand Brüste für einen Marker von ‚Weiblichkeit‘ hält und alle Personen entweder mit einem geschlechtsneutralen Pronomen bezeichnet oder bei der Begrüßung nach ihrem Pronomen gefragt werden?Continue Reading Wenn dir Sex und Gender verwirrend erscheinen, hast du sie noch nicht weit genug dekonstruiert.

Sep 092015
 

Dieser Artikel ist für einen der wenigen Menschen auf diesem Planeten, die ich tatsächlich lieb habe. Ich hoffe, er ist dir hilfreich.
Ich habe die Information in kleine, möglichst in sich geschlossene Happen aufgeteilt, so brauchst du dein derzeit knappes Konzentrationsvermögen nicht zu sehr zu strapazieren und kannst über mehrere Tage/Wochen/whatever verteilt lesen.

In meiner eigenen Zeit in Therapie habe ich ein paar Dinge gelernt, die mir extrem hilfreich dabei waren, sowohl die Phasen zu überstehen, während denen ich nichts tun konnte damit es mir besser geht, als auch die Phasen zu nutzen, in denen ich die nötige Kraft hatte, an meinem Denken und meiner Situation zu arbeiten.
Alle Punkte waren für mich gleich wichtig, daher kann ich sie nicht hierarchisch sortieren.

Hier ist die Inhaltsübersicht der einzelnen Abschnitte:

– Depression ist eine Krankheit
– Depression ist nicht dein Feind
– Selbsthass ist ein erlerntes Gefühl
– Depression ist wie Wellenreiten
– WellenmaschinenContinue Reading Grippe, Steine, Wellensurfen: Was Depression ist und wie man damit leben kann

Aug 282015
 

Ein Ausschnitt einer Liste von nicht-binären Gender-Symbolen

Gender Symbols by CaaLoba (Ausschnitt)

Eigentlich wollte ich diesen Artikel erst schreiben, wenn mein Binder angekommen ist und ich Gelegenheit hatte, damit noch weiter in meine Geschlechtsidentität oder Nicht-Geschlechtsidentität hineinzuforschen, aber dann bin ich kurz hintereinander erst auf die Kommentare hier und dann dieses Video hier gestoßen (man beachte auch die destruktive Scheiße in den related Videos, in denen unter dem ableistischen, transphoben Term ‚Genderwahnsinn‘ soziale Ignoranz verbreitet wird), und grad könnt ich echt nur noch kotzen.

Auf DeviantArt habe ich schon einen Kommentar abgelassen, den ich hier noch mal auf Deutsch und in erweiterter Form posten möchte, um mein kleines Tröpfchen Benzin dem Tank des Trabi Der Sozialen Gerechtigkeit1 hinzuzufügen.

Und zwar habe ich eine Frage and Leute, die der Meinung sind, dass das binäre System, in dem hier in Deutschland die soziale und biologische Geschlechtlichkeit von Menschen organisiert wird, wahr, richtig, wichtig, angemessen, gut und unverzichtbar für das Weiterbestehen der menschlichen Gesellschaft ist: Continue Reading Die einzig wahre Gender-Wahrheit