Rundflug, juche!

/ Januar 1, 2013/ Meine Schreibe und ich, Randgedanken/ 0Kommentare

Magnificent CME Erupts on the Sun - August 31Und wieder hat die Erde erfolgreich einen kompletten elliptischen Flug um ihren so kleinen, und doch so majestätischen Stern Sol* hingelegt. Strenggenommen ist das jeden Tag der Fall (Kreise haben so selten einen Anfang und ein Ende), aber wir haben entschieden, unterwegs immer nur einmal zu feiern. Ist auch logisch, irgendwie, weil es sich kein Schwein leisten könnte, jeden Tag so rumzuböllern (und zu saufen), und man stelle sich vor, wie die Straßen nach einer Weile aussähen. Ganz zu schweigen von den Lungenschäden durch den ständigen Rauch und dann noch all die weggesprengten Hände. Heute hat es ganze 17 Minuten gedauert, ehe der erste Krankenwagen in Hörweite vorbeigefahren ist. Zu den gesundheitlichen Folgen käme noch der Umstand, dass die ständigen Jahresrückblicke den Leuten irgendwann so dermaßen auf die Nerven gehen würden, dass keiner mehr den Fernseher einschalten würde. Und ohne Zuschauer keine Werbeeinnahmen.
Der Ökonomie und Gesundheit zuliebe gibt es also nur einmal im Jahr einen Jahreswechsel. Warum der ausgerechnet am 31.12. stattfindet, muss mir allerdings auch noch mal jemand erklären. Der 30.10. wäre viel sinnvoller, so mit längster Nacht des Jahres und so, oder der 21.12. – ab dem die Tage wieder länger werden – falls man das Jahr eher mit einem positiven Hintergrund beginnen will. Aber gut. Wenn schon willkürlich, dann wenigstens richtig.

Bei meinem Ehemann und mir gab es heute ganz traditionell Raclette. Und zur Abwechslung hat er diesmal seine Edginess nicht so raushängen lassen und mit mir zusammen das Feuerwerk geguckt, anstatt schon um zehn schlafen zu gehen. Vorher gabs noch ein bisschen Drama, weil er sich in den Kopf gesetzt hatte, das Feuerwerk mit einem Frame alle zwei Sekunden zu filmen, aber zuerst noch einen Kleinkrieg zwischen der Halterung seines iPhones, unseren dreckigen Fensterscheiben und der Geometrie überstehen musste, nur um schließlich festzustellen, dass die Kamera nicht leistungsfähig genug ist, um brauchbare Aufnahmen zu machen. Aber whatever. Feuerwerke sehen meiner Meinung nach sowieso immer gleich aus; reizvoll werden sie erst durch den Anlass und die idealerweise handverlesenen Mitgucker, und das kann auf Fotos einfach nicht angemessen festgehalten werden.

In den letzten Tagen habe ich ein bisschen rumüberlegt, ob ich nicht einen Jahresrückblick machen will. So über mich. Zuerst dachte ich an etwas nach der Art ‚The Good, the Bad and the fucking ugly‘, aber das war mir dann doch zu negativ und hätte außerdem zuviel Privatkram beinhaltet, der hier nun wirklich keinen was angeht. Dann dachte ich mir ‚Zahlen. Warum nicht Zahlen?‘ Zahlen sind zwar die Erzfeinde meines Gehirns – wenn das Zahlen anfassen soll, verfällt es in Schreckstarre und redet nur noch unzusammenhängendes Zeug, bis die Zahlen wieder weg sind – aber ich persönlich bewundere ihre Vielseitig- und Sachlichkeit.

Hier also mein Jahr 2012 in Zahlen:

000Großprojekte, die ich fertiggestellt habe.
001Kurzgeschichten, die ich geschrieben habe.
002 – Zentimeter, die ich zusätzlich an Oberarmumfang gewonnen habe, weil ich so fleißig Muskelaufbautraining betrieben habe.
003 – Seiten, die ich (gestern; high speed!) an ‚Bitter‚ weitergeschrieben habe.
004 – Seiten, die die besagte Kurzgeschichte lang ist.
005 – Kilo, die ich zugenommen habe; hoffentlich alles Muskel.
006 – neuentstandene Katzenkotzeflecken auf dem Wohnzimmerteppich und Seiten, die ich an ‚Mein Herr und Meister‚ weitergeschrieben habe.
007 – futterhaltige Katzenkotzereignisse insgesamt (ein gutes Jahr!)
012 – Seiten, die ich für mein geplantes Kinderbuch ‚MS Henrike‚ bereits geschrieben habe.
030 – Zentimeter, dich ich beim Spagat rechts und links in Überdehnung gehen konnte, ehe ich mal wieder durch eine dreiwöchige Erkältungspause in die Steinzeit zurückkatapultiert wurde.
036 – Blogposts.
055 – Trainingseinheiten mit Hanteln, dich ich absolviert (und fein säuberlich notiert :D) habe.
060 – Bremsen, die mein Mann und ich – auf dem Weg von einem überaus unangemessen kitschigen mittenwalder Berggipfel zurück in die deutlich weniger kitschige Talwelt – aus Gründen der Selbstverteidigung töten mussten.
070 – reine Gras-und-Spucke-Kotzaktionen der Katze (geschätzt).
100 – Seiten, die ich an ‚Das Kunstwerk‚ teils überarbeitet, hauptsächlich aber komplett neu geschrieben habe.
125 – Dehneinheiten, die ich – geschätzt und teils nach dem Hanteln, teils solo – dieses Jahr eingelegt habe.
300 – gefühlte Stunden Recherche fürs Schreiben.

Tja. Und jetzt wisst ihr in ungefähr, woraus mein Leben so besteht. Katzenkotze, Schreiben, Gewichte, mein Mann und tote Blutsauger.

Fröhlichen elliptischen Rundflug noch.

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* Das Bild verlinkt auf eine Seite, auf der ein Video des Sonnenfilaments und ein Größenvergleich zur Erde zu sehen ist.

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