Blogs und Twitter – 11 bombensichere Wege, dein Publikum zu vergraulen

/ August 19, 2014/ Schreibtips, Stil und Publikum/ 3Kommentare

Disclaimer: ‚dein Publikum‘ bedeutet in diesem Fall ‚mich und Leute, die sich über die gleichen Sachen aufregen wie ich‘, und nicht wirklich ‚dein Publikum‘.

kitten

Was bringt dein Publikum dazu, dir deine Seite, deinen Content und deine Tweets zu verübeln, deine Artikel nicht zu verlinken und dich mit zornig gerunzelter Stirn zu blocken, stummzuschalten oder sonstwie daran zu hindern, es je wieder auf deine Internetpräsenz aufmerksam zu machen?

Wir1 haben nachgefragt2 und die 10 häufigsten Antworten für dich zusammengestellt!

1. Irreführende Titel aka Clickbait aka Optimieren Sie Ihre Überschriften mit diesen 5 genialen Tipps und verzehnfachen Sie Ihren Traffic!

Wisst ihr die Ironie zu schätzen? Ich auch, meine Freundinnen. Ich auch.
Ich erinnere mich an eine Zeit, als die Welt noch jung war, und die Menschen schön, und Upworthy dem Internet noch nicht beigebracht hatte, dass Titel und Linktexte nur dazu dienen, Leute dazu zu bringen, sie zu klicken3. Das war eine Zeit, als ich noch einen Facebook-Account und keinen FocusWriter hatte. Es war also nicht alles besser damals. Aber das mit den Titeln, das war besser.
Dann kam der folgenreiche Tag, an dem jemand feststellte, dass Leute super gerne auf Links klicken, die ihnen Großartiges versprechen, und zwar mit genau dem Enthusiasmus, den man – aus Respekt – gewöhnlich nur jungen Hunden gegenüber an den Tag legt.

  • „Mit diesen (Zahl) erstaunlichen Tipps wirst du die besten (Objekt) der Welt (Verb)!“
  • „Die geheimen Tricks von (Personen). Dieser Post wird alles verändern, was du über (Tätigkeit oder Lebensbereich) zu wissen glaubtest!“
  • „(Zahl) eindeutige Zeichen, dass du (Irgend ein Scheiß)!“
  • „Diese (Person) (Tätigkeit) (Ort). Du wirst nicht glauben, was dann geschah!“
  • „Dieses (visuelles Medium) eines (Tierbaby) wird dich (körperliche Symptome einer Emotion) lassen und deinen (Zeitabschnitt) perfekt machen!“
  • „Dieser Artikel wird dich umhauen! Ich habe (körperliches Symptom einer Emotion) vor lauter (Emotion) und werde die Welt nie wieder so sehen wie zuvor!“
  • „Ich dachte, diese (Person) wäre (ableistische Bezeichnung), aber was sie (Verb) wird dich diesen Link klicken lassen, nun klick ihn schon, klick, du Bastard!!!

Ich gebe zu, ich war mal auf der Mailingliste von Upworthy; damals, als die Seite noch klein war. Für ein oder zwei Wochen. Dann ging mir auf einmal auf, dass deren Headlines immer dem selben Schema folgen, dass der Content die Mühe des Klickens nicht wert war und dass ich mich in einer Weise verarscht fühlte, die ich so bisher nur im Zusammenhang mit ‚ganz persönlichen‚ Geburtstagsgrußkarten von Großkonzernen erlebt hatte.
Kurz darauf begann die Clickbait-Epidemie, weil die Methode eine Zeit lang – und anscheinend immer noch – ganz gut zieht. Mittlerweile hat das Clickbaiting wieder gewisse Vorteile für mich als Konsumentin. Weil ich allein durch das Lesen des Linktextes/Titels schon sehen kann, dass sich entweder der Klick darauf nicht lohnt, oder die Contentcreatorin weder ihre eigene Leserschaft ernst nimmt, noch den Unterschied zwischen einer Zahl in der Besucherstatistik und einer zufriedenen, treuen Leserin versteht.
Das ist besonders dann schade, wenn der Content der Seite eigentlich gut ist und ich ihn – unter anderem Titel – sehr gern gelesen hätte.

2. Miniaturcontent um der Klicks Willen

Wer schonmal auf meinem Blog war, weiß, dass ich die Angewohnheit habe, lange, lange, lange, lange Posts zu schreiben. Traffic-Coaches raten einem oft, Artikel unterhalb einer bestimmten Länge zu halten und sie im Zweifelsfalle auf mehrere Posts zu verteilen4, so wie Wissenschaftlerinnen gern die Ergebnisse ihrer Studien auf mehrere Papers verteilen. Autorinnen erzeugen so mehr Klicks, Wissenschaftlerinnen mehr Einträge in ihrer Publikationsliste, und beide bringen Leute wie mich dazu, ziemlich genervt zu sein.
Nicht per se wegen der kurzen Artikel oder der Aufteilung – auch kurze Artikel können viele Informationen enthalten, und manche Themen sind so umfangreich oder vielseitig, dass es der Leserschaft sogar entgegenkommt, sie auf kleinere Happen zu verteilen. Aber aus dem Gedanken ‚Ein Post kann ja auch mal eher kurz sein‘ werden sehr schnell sehr viele Posts, in denen irgend ein Kleinscheiß, den man in zwei Haupt- und einem Nebensatz hätte sagen können, auf fünf oder mehr Absätze aufgeblasen wurden. Weil Klicks, Klicks, Klicks!
Die einströmenden Einmal-Klicks der auf die cleveren Titel Hereingefallenen scheinen die Strategie zu bestätigen. Was aber auf der Strecke bleibt, ist der nachhaltige Ausbau einer wiederkehrenden Leserschaft, und die Treue der seinerzeit mit besserem Content gewonnenen Stammleserinnen.

3. Listen

An sich habe ich nichts gegen Listen. Viele meiner Blogposts beinhalten Listen. Geordnete Listen, ungeordnete Listen, Listen innerhalb von Listen… Listen eignen sich auch gut zur Aggregation von Informationsquellen, bewährten Tools oder Serviceangeboten.
Aber es gibt auch das hier:

Die Top 5 Dinge, die mich an Listenposts nerven:

  1. Listenposts werden als einfache Möglichkeit der Contenterzeugung empfohlen. Das ‚einfach‘ wird von aspirierenden Vielpostern oft wörtlich genommen, indem sie, statt einen Artikel zu einem Thema zu schreiben, nur eine Liste von irgendwie mit dem Thema verwandten Items zusammenwerfen und einen Clickbait-Titel drüberklatschen.
  2. Listen verleiten dazu, sie künstlich länger zu machen. „10 Dinge, die…“ sieht einfach besser aus als „8 Dinge, die…“, und „15 Dinge, die…“ besser als „13 Dinge, die…“. Dann wird gemogelt, weil dieses oder jenes Item könnte man ja auf zwei aufteilen, oder diesen Kram hier könnte man noch mit reinnehmen, obwohl er nicht wirklich qualitativ hochwertig ist, oder dieses schlecht gesourcte Zeug hier, hauptsache die Leute klicken.
  3. Listen werden zu oft geschrieben, weil einem sonst nichts einfällt, und das merkt man dann auch. Sie sind lieblos zusammengeworfen, außerdem wiederholen sie sich gern.
  4. Listen beschäftigen sich nur selten mit tatsächlich lesenswerten Dingen.
  5. Listen sind in der Mehrheit der Fälle reines Clickbaiting.
4. Posts, in denen darüber geredet wird, dass man jetzt mehr Listen-Posts und Miniaturcontent raushauen will, um den Traffic zu seiner Seite zu erhöhen

Und ich meine nicht nur diese expliziten Posts, sondern das gesamte Mindset dahinter. „Ich muss irgend etwas tun, um mehr Klicks zu kriegen. Egal was. Hauptsache mehr Klicks.“
Ich verstehe, dass in einem Internet, in dem sich große Websites mit ihrem Traffic brüsten, in dem vieles durch Werbeeinnahmen und Affilate-Links finanziert werden muss, und in dem man mit tausenden von besser etablierten Seiten um die Aufmerksamkeit Fremder konkurriert, die Verlockung, die eigenen Besucherstatistiken hochzutreiben, groß ist.
Manchmal, wenn ich gerne weinen möchte, sehe ich mir die Suchbegriffe an, über die die knapp 50 ‚echten‘ Besucher pro Tag auf meine Seite finden. Was diese Leute anzieht, sind nicht etwa meine liebevoll ausgearbeiteten Schreibtipps oder meine Reviews, nein. 10% der Leute kommen wegen meines Artikels über Rousseau, und 85% wegen meines BDSM-Pornos. Der eigentliche Inhalt meines Blogs holt kaum jemanden hinter dem Ofen vor. Das ignoriere ich dann geflissentlich, aber jedes Mal beschleicht mich trotzdem der Gedanke, dass ich vielleicht doch eine Porno-Ecke aufmachen und mehr Besucher anlocken sollte (und braucht die Welt nicht mehr feministische Pornos? Pornos mit Diversität, Respekt und enthusiastischem Konsens?), auch wenn mir eigentlich nicht danach zumute ist und sich diese Besucher einen Scheiß für das Schreiben interessieren, weshalb sie wohl kaum ein zweites Mal vorbeischauen werden – es sei denn, ich verspreche mehr Porno.
Es fühlt sich sehr sehr einsam an, wenn wenn man voller Leidenschaft ins Internet hinaus ruft und praktisch niemand antwortet.
Aber die Lösung für dieses Problem – die langfristige, nachhaltige Lösung – kann nicht sein, den Wert der eigenen Arbeit herunterzuschrauben und sie für Einmal-Klicks zu verscherbeln.
So ein Klick ist nichts wert, wenn er für die Person, die da geklickt hat, keinen Wert hatte, weil sie dann ganz sicher nicht auf deine Seite zurückkehren, dir irgendwo folgen oder gar deine Arbeit weiterempfehlen wird.

5. Overlays. Ja, alle Overlays. Immer.

Ich hab keine Ahnung, wer zuerst die Idee hatte, dass es sinnvoll sein könnte, den Leuten erstmal die Sicht zu versperren, wenn sie auf einer Seite landen, aber ich weiß, dass diese Person nie wieder in die Nähe des Internet gelassen werden sollte.
Ich meine, ganz im Ernst, ich will einen Artikel lesen, aber als erstes poppt groß und breit irgend etwas anderes auf, und das ist gleichermaßen ätzend, egal ob irgend ein Dritter beworben wird, oder es sich ’nur‘ um ein Formular für den Newsletter der besuchten Seite handelt. Vom Gefühl her ist das nämlich so, als würde ich jemanden besuchen, und kaum ist die Tür offen, packt diese Person entweder meinen Kopf und drückt mir eine Broschüre für Gartenmöbel ins Gesicht (ich habe keinen Garten), oder sie hängt sich übergangslos an mein Bein und schreit „VERLASS MICH NICHT ICH LIEBE DICH BITTE BLEIB BEI MIR LASS UNS WENIGSTENS TELEFONIEREN ICH BRAUCHE DICH.“
Auch wenn ich runterscrolle, also offensichtlich Interesse an dem mir gebotenen Content habe, will ich kein Overlay, das mich plötzlich in meinem Lesefluss unterbricht!!!1! Und wenn ich dabei bin, die Seite zu verlassen, ohne zuvor eigenständig nach einem Subscribe-Button gesucht zu haben, will ich ganz sicher nicht, dass er mir zwischen Tür und Angel noch aufgedrängt wird.
Ganz im Ernst. Wenn ich eine Seite super finde, mache ich mich aktiv auf die Suche nach dem Twitter-Profil der Betreiberin, um ihr zu folgen. Wenn ich deine Seite so richtig richtig geil finde, tweete ich dir sogar ein Dankeschön und verlinke dich entweder in einem Tweet oder einem Artikel. Ich mache mir auch gerne mal ein Bookmark, vor allem von Seiten, die täglich oder nahezu täglich neuen Content bringen. Ich weiß auch, wie man ein Live-Bookmark anlegt, um bei regelmäßig-aber-nicht-oft postenden Seiten mal schnell nachsehen zu können, ob was neues da ist. Und bei ganz selten neu bestückten Seiten abonniere ich per email oder hol mir den Newsletter.
Im Ernst, wo ist das Vertrauen in euren eigenen Content, dass ihr es für nötig haltet, die Leute mit Overlays zu verfolgen, nur damit sie euch ihre verdammte email-Adresse geben?
Oh, und kleine Overlays unten in der Ecke, die auf einen thematisch verwandten Artikel verlinken? Nerven auch. Weil sie immer irgend etwas verdecken, weil sie sich beim Scrollen nicht mitbewegen, was mich jedes Mal ablenkt, und weil doch sowieso so eine (von mir immer sehr geschätzte!) Liste mit thematisch verwandten Posts unter dem Artikel steht.
Ich hab das Gefühl, das Vergrößern und Binden von Leserschaft wird als eine Art Krieg verstanden, in dem man Leute unterwerfen und dazu zwingen muss, einem Klicks zu geben, obwohl doch das Gegenteil der Fall ist.

6. Werbung – vor allem Eigenwerbung – mitten im eigenen Text auf der eigenen Seite.

Am besten noch in bunt und mit Fotos und anderem Text drunter, damit man aufmerksam hinsehen muss, um rauszufinden, wo das, was man eigentlich lesen wollte, endlich weiter geht.
Ich meine, ähmmmm… Ich bin schon auf deiner Seite??? Ich sehe deine Seitenleiste mit all ihren Werbewidgets über all deine tollen Projekte und Angebote??? Du brauchst mich nicht anzuschreien, okay? Und ich werd dir bestimmt nichts abkaufen, wenn du mir einen Werbezettel in den Mund stopfst und Ducktape drüber klebst.
Mit Adblock und dem zugehörigen Element-Hiding-Helper brauche ich zwar nur genau 5 Sekunden, um jedes beliebige .jpg auf deiner Seite für immer verschwinden zu lassen, aber die verdammten Text-Einschübe sind dann immer noch da, und das wären 5 Sekunden gewesen, die ich damit hätte zubringen können, deinen Content und dich zu mögen, anstatt eine Aufwallung von Zorn gegen den wahrscheinlichen Informationsgehalt deiner Seite abzuwägen und mich grollend wesentlich seltener als nötig zu einem deiner Artikel zu schleppen und den verbliebenen Werbetext unter Zähneknirschen zu überscrollen.

7. Aus dem Archiv tweeten, ohne diese Archiv-Tweets als solche zu kennzeichnen.

Archivposts sind vollkommen legitim. Alte Posts, die immer noch relevant sind, die man mit viel Zeit und Liebe geschrieben hat, und die nützliche Informationen beinhalten, sind Werte, auf denen man herumsitzt. Vor allem wenn man – wie ich – eher unregelmäßig neuen Content postet, aber trotzdem neue Leute erreichen will.
Ich empfinde es allerdings als Verarsche an alteingesessenen Leserinnen und als an der Grenze zum Clickbaiting, wenn Posts aus dem Archiv im selben Format getweetet werden, wie neue. Am besten noch mit einem absolut allgemein gehaltenen Tweettext und ohne den Titel des Posts zu erwähnen, so dass ich den Link klicke, in dem Glauben, neuen Content zu erreichen… und dann wütend den Browser wieder zu mache, weil ich eben diesen Post erst letzte Woche gelesen habe – als er schonmal als nicht gekennzeichneter Archivtweet in meiner Timeline saß.
Das führt dann dazu, dass ich den betroffenen Account stummschalte, die Accountinhaberin still verachte, und selbst wenn ihr Content ansonsten wirklich gut ist und ich ihre Seite gebookmarkt habe, nur widerstrebend mal bei ihr vorbeischaue. In gewisser Weise wirken nach dem Stummschalten die Leute, denen ich folge, und die dem betroffenen Account auch folgen, als Filter, weil sie wirklich gute Sachen durch ihre Retweets in meine Timeline bugsieren. Aber auch da bin ich gern mal unbegeistert, weil unter den Retweets natürlich auch ungekennzeichnete Archivtweets dabei sind.
Es ist möglich, Tweets aus dem Archiv als solche zu kennzeichnen. Es ist möglich, die Titel der Archivposts im Tweet zu erwähnen. Alles genau so einfach automatisierbar wie das Archivtweeten selbst. Sicher, man ‚verliert‘ dadurch Klicks, aber nur solche von alteingesessenen Leserinnen, die sich über genau diese Klicks ärgern und irgendwann Ex-Leserinnen sind.

8. Ständig das selbe tweeten, ständig das selbe tweeten und ständig das selbe tweeten.

Es gibt Leute auf Twitter, die haben – gefühlt – fünf Tweets. Diese Tweets wiederholen sie. Wieder und wieder und wieder und wieder. Bis ich mich so dermaßen verarscht fühle, dass ich den Account stumm schalte.
Ich verstehe natürlich, dass man große Weisheit nicht oft genug aussprechen kann, aber ich glaube, die betroffenen Leute begreifen nicht, dass sie nicht nur für ihre nagelneuen Follower tweeten (was immer nur so-und-so-viele pro Zeiteinheit sind), sondern vor allem für die, die ihnen schon seit Wochen, Monaten oder Jahren folgen, und die immer mehr werden und den größten Teil aller Klicks, Antworten und Retweets ausmachen.

9. Zwanghaftes Retweeten

Ich retweete vergleichsweise wenig, und wenn, dann bewusst. Denn die Sache ist die: Wenn ich etwas Retweete, das in den Themenbereich fällt, zu dem ich selbst auch Content produziere oder mich häufiger äußere, dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass die Leute, die einem winzigen Fischchen wie mir folgen, den größeren Fischen, denen ich folge, selber auch folgen. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass ich etwas retweete, das meine Follower an dem Tag schon häufiger in der Timeline hatte, ist weit abseits von 0%. Und auch wenn ich selbst mit meinem einzelnen Retweet nicht spamme, all die vielen anderen, die mit mir zusammen retweeten, kumulieren zu einer Spamattacke.
Am meisten nervt es mich, wenn mir Leute retweetet werden, die auch von alleine schon eher schlechte Twittermanieren haben. Da schalte ich dann auch schonmal jemanden stumm, bei dem es eigentlich nicht nötig gewesen wäre.

10. Retweet-Massaker

Es gibt da so Leute. Diese Leute sind auf Twitter. Manchen davon folge ich. Und manchmal haben diese Leute so Tage, an denen sie in irgend jemandes Timeline unterwegs sind und Jeden. Einzelnen. Tweet. Der. Vergangenen. 72. Stunden. Retweeten!!!
Eine Wand von Retweets entsteht, und aus irgend einem unerfindlichen Grund beinhalten diese Wände nie etwas, das mir persönlich auch nur ansatzweise retweetenswert erscheint. Meistens sind es Links zu Büchern der Retweeteten, wohl weil eine Laune der Natur dafür sorgt, dass die Retweet-Orgiastinnen besonders gerne Leuten folgen, die Twitter für Punkt 11 dieser Liste benutzen.

11. Hey, lies mein Buch. Lies mein Buch. Ich hab ein Buch geschrieben. Lies es. Lies mein Buch. Guck. Guck mein Buch an. Guck hier. Das ist mein Buch. Lies es. Lies es jetzt. Wusstest du schon von meinem Buch? Leute finden mein Buch toll. Hey, ich hab ein Buch geschrieben. Schau mal, mein Buch. Das hier ist mein Buch. Lies mein Buch. Lies es bitte. Mein Buch ist toll. Lies es. Lies auch mein anderes Buch. Wusstest du, dass ich noch eins geschrieben habe? Und nicht nur das. Guck hier, das ist mein drittes Buch. Lies es. Lies mein anderes Buch. Und das andere andere Buch. Lies alle meine Bücher. Hey, guck mein Buch an. Mein Buch ist toll. Lies mein Buch. Lies es. Jetzt. Lies es. Lies es jetzt. Lies mein Buch.

Heilige Scheiße, ich weiß, dass du ein Buch geschrieben hast. Jeder, der dir in den vergangenen 4 Stunden gefolgt ist, weiß davon. Warum? WEIL DU STÄNDIG DARÜBER TWEETEST!!!!
Lebst du in einer Welt, in der dir jeder nur für maximal 4 Stunden folgt, so dass du ständig Leute, die vorher noch nie was von dir gesehen haben, darüber informieren musst, dass du Autorin bist? HALLO, DAS STEHT SCHON IN DEINEM TWITTERPROFIL UND AUF DEINER DORT VERLINKTEN HOMEPAGE UND GUCK WELCH ÜBERRASCHUNG DEINE BÜCHER STEHEN IN DER WIDGETLEISTE DEINER HOMEPAGE SO DASS JEDE PERSON DIE EINEN DEINER ARTIKEL LIEST WEISS DASS DU SIE GESCHRIEBEN HAST UND WO MAN SIE KAUFEN KANN UND WIE VIEL SIE KOSTEN UND WAS DEINE LESERINNEN DAVON HALTEN!!!!!!!!!!!
Ich verstehe, dass vor allem das hohe Tempo auf Twitter einem Angst macht, nicht gesehen zu werden, wenn man ‚zu selten‘ tweetet. Und es ist ja auch wahr. Ich überscrolle viel, selbst in meiner sorgfältig gejäteten Timeline. Aber die Sache ist, wenn du selten postest, dafür aber Zeug, das man auch gern liest, dann reicht es für mich, nur jeden zehnten deiner Tweets zu lesen – und dieser richtig gute Tweet bewegt mich dann dazu, auf dein Twitter-Profil zu gehen, durch deine Timeline zu scrollen, vielleicht was zu retweeten oder auf etwas zu antworten.
Und ich bin sicher nicht die einzige, die guten Content und interessante Leute so weit zu schätzen weiß, dass sie ein paar zusätzliche Klicks auf sich nimmt, um mehr von ihnen zu lesen.
Ich weiß nicht, was diese Tweetdurchfall-Poster reitet. Vor allem, weil einige von ihnen sehr regelmäßig neuen Content produzieren, so dass sie ohne Ende legitime Tweets absetzen könnten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie ihre Leserschaft mit ihrem zusätzlichen Gespamme nur vergrätzen und nicht in der Weise respektiert werden, die ihrem Content eigentlich angemessen wäre.
Ich persönlich höre nur noch durch gelegentliche Retweets von Leuten mit Tweetdurchfall, weil ich sie sowas von stummgeschaltet habe. Und wenn diese Retweets richtig gut sind, geh ich auf ihr Profil und scroll in ihrer Timeline rum, antworte oder retweete meinerseits was, gehe auf ihre Homepage… Fällt was auf?

Bonus-Punkt!

12. Call To Action!

Was wäre dein Punkt 12 auf dieser Liste? Lass es uns5 wissen und schreibe deinen persönlichen Punkt 12 als Kommentar unter diesen Post!
Vergiss nicht, uns6 danach zu liken, auf Facebook zu frienden und auf Twitter zu folgen, denn Sharing ist Caring und deine Freunde wollen sicher wissen, auf welchen coolen Seiten du dich so alles rumtreibst!

Und morgen geht es hier auch schon weiter, mit ’11 bombensichere Wege, dein Publikum nicht zu vergraulen‘7.

HEY SCHÖNHEIT!

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Eine Leserin sagt: „Das ist super toll, so verpasse ich nie einen neuen Post!“

 
Weil ich immer noch ich bin, kommt hier übrigens noch ein Fazit:
Ich glaube, dass der Fokus auf Besucherstatistiken – die nun leider nicht verraten, ob ein Klick in einer zufriedenen oder einer frustrierten Leserin resultiert ist8 – die Qualität des Contents im Internet und die Beziehung zwischen Leserschaft und Contentcreatorin bedroht. Dagegen habe ich nicht nur aus egoistischen Gründen (also als Konsumentin) etwas, sondern auch weil ich glaube, dass viele talentierte Leute die Qualität und Seriosität (in Anführungszeichen) ihres Content hinter ihren Besucherzahlen zurückstellen oder unabsichtlich Leute verschrecken, die ihre Arbeit eigentlich sehr zu schätzen wüssten.
Es herrscht ein solcher Lärm da draußen, der einfach nicht nötig ist und der nur Nerven kostet.

Wertschätzt eure Arbeit, euren Content, eure Leserschaft und euch selbst :)


1 Ich.
2 Nachgedacht.
3 Nur falls ihr es schon vergessen habt: Linktexte und Titel sind dazu da, potenzielle Leserinnen über den Inhalt des folgenden Artikels zu informieren, damit sie entscheiden können, ob sie ihn lesen wollen oder nicht.
4 Warum ich das nicht mache? Weil ich Sachen nicht gern künstlich stückle und ich mich persönlich verarscht fühle, wenn sozusagen eine Liste geschrieben wird, deren einzelne Items dann jeweils einen eigenen Artikel kriegen.
5 Mich.
6 Es gibt nur mich. Niemand hilft mir. Ich bin ganz alleine. Die ganze Verantwortung lastet auf mir. Niemand nimmt mir jemals was ab. Alles muss ich machen. Alles. Und es sagt nichtmal wer ‚Danke‘ dafür. Ihr nutzt mich doch alle nur aus. Deshalb postet jetzt einen Kommentar. Für mich. Bitte. Nur einen. Dann bin ich auch still. Okay? Bitte? ö.ö
7 Ist der selbe Post wie heute, nur dass ich euch das Gegenteil rate.
8 Nein, die Absprungrate ist nicht aussagekräftig.

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